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Die Raffkes von Manado

by Herbert Frei 7.07

Manado ist der Zielflughafen, wenn man in Nordsulawesi tauchen will. Unter Makrofans und Drop-Off-Freaks haben insbesondere die Gebiete von Lembeh, Banka, Bunaken und Bethlehem Popooh den Reiz zartsanfter Harfenklänge. Wer hier taucht, weiß, was er will. Nämlich das Beste. Insbesondere UW-Fotografen fühlen sich vom Artenreichtum der Kleintierwelt mit ihren mannigfaltigen Nacktschnecken und Giftfischszenarien magisch angezogen. Lembeh…das Critter-Paradies schlechthin.

Und das wissen mittlerweile auch die Verantwortlichen der Silk-Air am Flughafen von Manado. UW-Fotografen, so ist man seit geraumer Zeit an den Abfertigungsstellen der Meinung, lassen sich gut melken, weil sie immer etwas Übergepäck befördern. Die Silk-Air gehört wirtschaftlich zur Singapore-Air und ist aufgrund ihrer Alleinstellung in Nordsulawesi praktische ohne Konkurrenz, wenn man über Singapore ins heimatliche Europa zurück muss. Und das wissen die gierigen und unverschämten Mitarbeiter dieser Airline mit dem Gehabe von Banditen nur zu gut.

Unser Abenteuer begann in Frankfurt beim Einchecken am Singapore-Air Schalter. Die freundliche Dame an der Abfertigung beschied uns zwar mit strengem Blick, dass wir erheblich (ca. 10 kg) über den zugestandenen 30 kg pro Mann liegen würden, aber als sie hörte, dass sie es mit Tauchern und UW-Fotografen zu tun hatte, war sie sogleich die Liebenswürdigkeit selbst. „Tauchen muss herrlich sein. Ich beneide Sie“. Und im selben Atemzug: „Haben Sie nicht was Süßes für unser Team“? Klar doch! Mit drei Tafeln Schokolade und einer Pralinenschachtel hatten wir nicht nur die Lacher und alle Sympathien auf unserer Seite, sondern auch das Gepäck im Container. Durchgecheckt bis Mando. Das fanden wir kulant und zuvorkommend. Deshalb wird uns Singapore-Air auch bei weiteren Reisen befördern können.

Das Erwachen kam dann auf der Rückreise in Manado am Silk-Air-Schalter beim Einchecken nach Frankfurt. „Sie haben erheblich zu viel, das kostet“! Dieser Satz hat uns nicht sonderlich beunruhig, als wir erfuhren, dass einheimische Fluggäste gelegentlich mit 3 Dollar pro kg zur Kasse gebeten wurden. Das wären dann in unserem Fall 60 Dollar gewesen, die wir gern bezahlt hätten. Aber die Dame am Schalter machte eine andere Rechnung auf. Touristen, so beschied sie uns, hätten gefälligst 52 Doller pro kg zu zahlen. Machte bei 20 kg kärgliche 1040 Dollar für meine Frau und mich. Sie wolle uns aber entgegen kommen. Weil wir Gäste ihres Landes seien, würde sie die Summe auf 1000 Dollar abrunden. Ein Sonderpreis, versicherte uns die Dame, während ihr Lächeln immer diabolischer wurde und uns allmählich die Gesichtszüge entgleisten.

Von dieser wohlmeinenden Abzocke waren wir so erfreut, dass wir ihr anboten, den Inhalt einer unserer Tauchtaschen in ihrem Freundeskreis zu verschenken, denn der stellenweise zerschlissene Rucksack hatte samt Inhalt höchstens einen Wert von 200,- Euro. 3 Jahre alter Tauchanzug, Füßlinge kurz vor dem Auseinanderfallen, ein Jacket mit defekten Bleitaschen, Flossen stark abgenutzt, zwei Automaten aus den frühen 90er Jahren mit geplatzten Finischläuchen, ein verschwitzter Schlafanzug, muffige Socken, Unterwäsche zum Abgewöhnen und ein alter Medikamentensack mit abgelaufenen Pillen gegen Seekrankheit. Dies, so machte ich ihr klar lasse ich am Flughafen zurück. Die Entsorgung obliege dann der Silk-Air. Das messerscharfe Lächeln der Flughafenhexe gefror für einen kurzen Augenblick, dann hatte sie sich wieder gefasst. „Sie können ja noch etwas ins Handgepäck legen, dann reduziert sich die Übergepäckgebühr“. Das war das Stickwort. In einer Hauruckaktion…das Boarding hatte schon begonnen, zogen wir 6 Blitzgeräte, darunter auch hermetisch verschlossene Amphibien (Mini und Alpha) von Subtronic und zwei große Domeports aus den Tauchertaschen und verstauten sie im Handgepäck. In schlauer Vorausschau hatte ich noch einen leeren Rucksack mitgenommen…für alle Fälle sozusagen. So wankten wir mit insgesamt 7 Handgepäckstücken und geschätzten 50 kg ins Flugzeug. Die Dame am Röntgenscanner konnte nur noch staunen, als wir unsere Trollis und Rucksäcke aufs Laufband legten. „Wir haben viele Dinge für unsere Freunde dabei, die schon im Flieger sitzen, ließ ich verlauten“. Der Blick der Sicherheitsfrau verriet, dass sie uns zumindest in diesem Fall für elende Aufschneider und Lügner hielt. Aber sie winkte uns galant durch. Nicht ohne dabei ein Auge zuzukneifen. Hieß wohl: “Habt ihr nicht was zum Schlecken dabei“? Klar hatten wir. Und wir waren großzügig, schließlich hatten wir nichts bezahlt und der Krempel ging auch so mit. Über die seltsame Logik, die angebotenen 60 Doller fürs Übergepäck nicht zu nehmen und das Zuviel dann kostenlos im Handgepäck im selben Flieger zu befördern, haben wir uns lange ohne Ergebnis unterhalten. Zwergschule? Mangelhafte Kenntnisse bei den Grundrechenarten? Schikane? Wilhelmine Wichtig in wichtiger Mission? Sturheit mit der Muttermilch verabreicht? Fremdenfeindlichkeit auf hohem Niveau? Europäer sollen zahlen, die haben ja Geld!

Etwas Bauchweh hatten wir in Singapur, weil das gesamte Handgepäck sowohl bei der Einreise als auch bei der Ausreise sorgfältig untersucht wurde. Aber das Sicherheitspersonal war sehr sachkundig, wusste was Objektive, Domegläser und Amphibienblitzgeräte sind. Keine Probleme…die hatten wir nur in Manado.

Nach unserer Rückkehr erführen wir, dass es anderen UW-Fotografen ähnlich erging. Eine Vierergruppe sollte 2000 Dollar bezahlen. Sie ließen dann Teile des Tauchequipments zurück, was von den Flughafenbediensteten sogleich als willkommenes Trinkgeld akzeptiert wurde. In letzter Sekunde konnte das einem telefonisch herbeigerufenen Mitarbeiter des Tauchresorts übergeben werden. Vielleicht grassiert bereits ein kleiner Schwarzmarkt mit konfiszierten Tauchausrüstungen. Wundern würde es einen nicht.

Weshalb speziell in Manado so abgezockt wird, bleibt ein Rätsel. Vielleicht sind die Mitarbeiter dort besonders gierig. Uns half nicht einmal ein Schreiben des Nordsulawesischen Vizegouverneurs, der für uns Journalisten um jedwede Unterstützung bat. Grundsätzlich sind wir keine Gegner von Übergepäckgebühren. Die Airlines müssen beim Start mit erhöhten Spritkosten rechnen, wenn die Maschine voll bis obenan ist. Aber wichtig ist ja nur das gesamte Startgewicht. Unberücksichtigt bleibt nach wie vor, wie schwer die einzelnen Fluggäste sind. Unlogisch und unverschämt wird es, wenn sich der kg-Preis fürs Übergepäck so summiert, dass man Erster Klasse hätte fliegen können oder sich noch einmal einen zusätzlichen Sitzplatz hätte gönnen können. Das macht alles keinen Sinn und dient eher der Verwirrung und der Abzocke. Normale Übergepäckpreise sind in Ordnung, aber alles, was über 10 Dollar pro kg hinausgeht, ist Wegelagerei und Bedrohung der Urlaubskasse. Manche Airlines verlangen für moderates Übergepäck pauschal 50 Dollar. Das geht in Ordnung. Die Befürchtung, dass eine zu kulante Übergepäckpolitik gewichtsmäßig ins Uferlose führen könnte wird bei großzügigen Gepäckregelungen bei LTU oder TUI widerlegt. Die meisten sind froh, wenn sie nicht allzu viel schleppen müssen. Weshalb dann die Wenigen mit etwas Übergepäck so mit Gebühren belegen, dass es einem Überfall gleich kommt? Und wenn schon Übergepäckgebühren, dann für alle gleich. Aber Einheimische mit wenig Zuschlag bauchpinseln und gleichzeitig Touristen mit Strafgebühren knebeln, das sollte und darf nicht sein. Sonst müssen wir beim Handgepäck aufrüsten, was aber auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Denn irgendwann geht auch das schief. Für Fotogruppen mit gesteigertem Equipment bietet sich noch die Lösung an, über den Reisepreis eine oder zwei Sitzplätze mehr zu nehmen und dieses nicht in Anspruch genommene Gepäcklimit auf alle zu verteilen. Es gibt Reiseveranstalter, die diesem Gedanken nicht ganz abhold sind.
 

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