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Kennen Sie das: Ein Treffen mit einem Unbekannten, den man aber doch ein wenig zu kennen glaubt, ihm aber noch nie persönlich
begegnete? Der mit einem monatlichen Editorial und der Verantwortung für ein Tauchmagazin einige Jahre als Begleiter, als gedruckter Buddy mit dabei war? So
erging es mir, als ich André Foulon, der als Chefredakteur vor 23 Jahren das junge Magazin tauchen prägte, für einen Redaktionsbesuch am Münchner Flughafen abholte.
Blind Date, ein tauchen von 1983 in der Hand warte ich auf einen gereiften Mann mit Brille und Lockenhaar, der aus Australien eingeflogen kommt, nachdem er als
– wie er selbst sagt – militanter Ökofreak den Schreibtisch in Hamburg mit dem Leben im Outback vertauschte um fortan das Dasein naturnah zu gestalten.
Das – zugegeben – alte „Fahndungsfoto“ taugt wenig, denn die damalige Lockenpracht war eine Dauerwelle wie sich herausstellt und André ergreift
die Initiative um die wartenden Abholer anzusprechen. Das alte tauchen in der Hand mache ich es ihm leicht, wenngleich ich nicht sofort auf seine Frage reagiere, ob
ich Herr Goldschmidt sei. Die Locken fehlen und einen Moment mag ich auch die Szene auf mich wirken lassen, die einen Kreis schließt, Jahrzehnte später. So lerne
ich André kennen, längst nachdem er den Tauchsport und den dazugehörigen Journalismus an den Nagel gehängt hatte. Aber ich war neugierig auf ihn, verstand ich es doch
nicht, wieso er plötzlich seine Leser, seine Buddys im Stich gelassen hatte und lieber der Wildnis ein Stück Land abrang. Auf der Fahrt in die Redaktion werden
bereits eine Menge Details aus der Vergangenheit abgefragt und so erfahre ich, dass André vom kürzlich verstorbenen Verleger Alexander Jahr zum tauchen geholt worden
war, für das ich selbst nach Andrés Abschied viele Beiträge produziert hatte. Leider erst nach seinem Abschied, wir hätten uns sicher damals schon sehr gut verstanden
und vielleicht hätten sich einige Dinge dann auch anders entwickelt. Staunend erfahre ich, dass er sein Medizinstudium nach dem zweiten Staatsexamen zugunsten des
Posten als Chefredakteur in Hamburg beendete, ein gutes Gehalt und die Möglichkeit die Welt als Taucher zu bereisen lockten denn doch enorm. In der noch jungen
Szene der Tauchsportmagazine, die Wettbewerbsmagazine waren bis dahin bereits fast alle vom Jahr – Verlag übernommen und ins tauchen integriert worden, wurde
noch viel experimentiert, gab es viele Freiräume Neues auszuprobieren und erstmals zu veröffentlichen. Als Chefredakteur konnte man es sich auch noch leisten viele
Reisen selbst zu machen um von den schönsten Tauchzielen zu berichten. Der Heftumfang entsprach knapp der Hälfte dessen, was heute monatlich ausgeliefert wird, der
Produktionsstress allgemein war geringer – bis zu einer verhängnisvollen Reise nach Australien, bei der ein Mitreisender von einer berstenden Pressluftflasche an
Bord des Safariboots schwer verletzt worden war und damit schon am Anfang des Trips das Ende eingeläutet wurde und André ohne Story dastand, die eigentlich das Gros
des Heftes füllen sollte. Natürlich wurde schließlich wieder ein Magazin voller guter Themen an die Leser ausgeliefert, doch dieses Erlebnis markierte in etwa
den Wendepunkt in Andrés Lebensgestaltung. Weg vom Produktionsdruck hin zu einem Leben im Einklang mit der Natur. Seine Frau, eine Engländerin, teile diese Idee und
Australien als Ziel der Selbstverwirklichung stand schon länger fest. Zudem rückte der letzte Moment ein Punktesystem für den Aufenthalt und die Altersversorgung in
Australien nutzen zu können mit Riesenschritten näher, so dass rascher Handlungsbedarf bestand. Alexander Jahr hätte ihn gerne gehalten und machte ein neues,
attraktives Angebot, doch André blieb seiner Idee treu und hinterließ von heute auf morgen eine überraschte Leserschaft, der er seinen Abschied vom Magazin, von
Hamburg und Deutschland mitteilte. Auch ich war irritiert und verstand es bis heute nicht, doch nach unserem Gespräch war es auch mir klar, dass es kein Spleen war
sondern konkrete Verfolgung von Ideen und Träumen, die Wirklichkeit wurden. In der neuen Heimat schuf der Mann mit dem französischen Namen und dem deutschen Pass
seinen naturverträglichen Lebensraum, blieb aber dem Journalismus als Autor für den „Spiegel“ treu. Sein Lebensmittelpunkt sind seine zwei Söhne (17 und 20 J.)
sowie ein Sozialzentrum, das er als Leiter betreut. Zum Tauchen ist er lange Jahre nicht mehr gekommen, auch bei einer Safari im Roten Meer, bei der er seinen alten
Freund aus Mannheim, Rolf Sempert (stellvertretender Chefredakteur von UnterWasserWelt) zur Feier eines runden Geburtstags begleiten wird, wird nur ABC zum Einsatz
kommen aber kein Tauchgerät. Das musste er seinen Söhnen versprechen und daran wird er sich auch halten, so sehr das Tauchen auch lockt....
Natürlich war das Wiedersehen von Rolf Sempert und André Foulon, die schließlich beide auch Chefredakteure von Tauchmagazinen waren und alte Freunde im Mannheimer
Tauchclub, ein bewegendes Erlebnis.
Über 30 Jahre Tauchgeschichte kamen beim Treffen in unserer Redaktion zusammen, ein spannender Tag und Abend, der
vieles wieder lebendig machte, was irgendwie schon in den unteren Schubladen der Erinnerung abgelegt worden war.
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