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Vieles war anders auf dieser boot 2007 in Düsseldorf. Die neue Standverteilung in Halle 3, die sinnvollerweise Hersteller, Reiseanbieter
und Basen, Verbände und Shops zusammenfassend gruppierte, forderte von langjährigen Messebesuchern eine Neuorientierung bei vielen Wegen durch die geballte Welt des
Tauchsports. Insgesamt kamen 19.000 Besucher weniger zur boot als 2006, die Tauchsporthalle verzeichnete entsprechend einen anteiligen Rückgang von etwa 3.800
Interessenten. Trotzdem zogen viele eine positive Bilanz.
Den anhaltenden Besucherschwund konnte die boot 2007 nicht aufhalten, eine Tatsache, die jedoch
international die Messelandschaft kennzeichnet. Online bedienen die Webinhalte der Hersteller und Reiseanbieter rund um die Uhr recherchierende Interessenten und vor
einer Kaufentscheidung stehende Kunden. Man spart sich Zeit und Kosten für die Anreise und den Eintritt zu einer Messe. Die Generation, die mit den neuen Medien
aufgewachsen ist, macht bei den Besuchern insgesamt nur einen deutlich geringeren Anteil aus. Ganz klar ist das Altersspektrum der boot mit 35+ anzusetzen. Mehr und
mehr schwindet auch die lebenslange Identifikation mit dem Tauchsport, wie es einmal üblich war. Wer in den letzten 10 Jahren einen Tauchkurs in tropischer Umgebung im
Schnelldurchgang absolvierte, nimmt kaum einmal die Klinke eines heimischen Tauchsportfachgeschäfts in die Hand. Und zu lange hatte man sich bei der
Tauchsportindustrie zu wenig Gedanken darüber gemacht das düstere Schwarz aus Anzügen und von Jackets zu verbannen um schon im Equipment die farbige Vielfalt des
Lebens tropischer Meere wiederzuspiegeln. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und man kann sich darüber freuen, dass nach zögerlicher Interessensauslotung im vergangenen
Jahr nun doch einige Hersteller ihre Neoprenkollektion mit deutlichen farbigen Akzenten erfrischend aufwerten. Aquata ließ dafür sogar auf der Showbühne die Puppen
tanzen und zeigte bei einer klassischen Ballettvorführung vier neue Anzug- und Shortymodelle. Die „she dives“ Linie von mares begeistert abgesehen davon nicht
nur die Damenwelt, es gibt auch Anfragen das Jacket im eisblauen Farbdesign im Herrenschnitt und in Herrengrößen ordern zu können, doch die Jungs müssen hier noch
weiter den schwarzen Mann spielen. Außer man wirft einen Blick auf die Wingjackets von AUDAXPRO im Vertrieb von Wet & Dry, die vom Reisewing bis zum absoluten
Profi – Tec – Wing alles bieten und das in erfrischenden Farben, die auch Fotografen an ihren Models zu schätzen wissen. Während etwa 1/3 Messeshops
weniger an der boot 2007 teilnahmen, brachten sich teilweise längere Zeit abwesende Unternehmen wieder zurück ins Rampenlicht. mares, Scubapro, Atomic und Active Line
(mit Ursuk) empfingen Besucher und Händler auf ihren Ständen, die offen und für jeden zugänglich gestaltet waren. Großzügig zeigte sich auch MARLIN und präsentierte
die Ausrüstungslinie von RALF TECH aus Frankreich in einem neuen Stand. Seemann und Oceanic präsentierten sich auch deutlicher, wenngleich das Label des Verbands SSI
an der Ausstellungsfläche dominierte. Einen Blickfang der besonderen Art präsentierte Felix Leibundgut bei Wet & Dry mit einem Unterzieher, der Damen und
Herren mit Hilfe eines rückwärtigen Reißverschlusses die Erledigung dringender Geschäfte erlaubt, ohne den Wärmeschutz ausziehen zu müssen. Durchweg zufriedene
Gesichter gab es bei Anbietern hochwertiger Produkte wie Alugehäuse für Foto- und Videokameras, Lampen, Blitzgeräte und gehobener Reiseziele. Klar erkennbar ist der
Wind des Aufschwungs, der die Kaufbereitschaft besonders jener Generation beflügelte, die wirtschaftlich in trockene Tücher gebettet sich nun wieder etwas gönnt.
Highend – Angebote werden wahrgenommen und so schaffte die im Roten Meer beheimatete Yacht Seven7Seas bereits nach einem Jahr den Sprung aufs höchste Treppchen
beim Award des Magazins tauchen als bestes Tauchsafarischiff. Nicht überall gab es mit Blick auf die Tauchsaison 2006 bei Ägypten – Anbietern glückliche
Gesichter, politische wie qualitative Probleme hatten die einst starke Nachfrage einbrechen lassen und so manche Mittelmeerdestination konnte hier punkten.
Deutliche Umsatzsteigerungen dürfen auch verschiedene Anwaltskanzleien der boot 2007 zuschreiben. Mancherorts lagen im Umfeld der Aussteller die Nerven blank,
witterten sie Konkurrenz. So wurde hier und da versucht den Wettbewerb durch Einsatz von Hilfsorganen der Staatsanwaltschaft zu beeinflussen und öfters wiesen
sich Kripobeamte als nicht zum normalen Klientel der Standbesucher zählend aus um den Vorwürfen eines Mitbewerbers nachzugehen. Und natürlich gab es wieder die Episode
eines Händlers, der sich als Deutschlandvertretung eines Produkts in Szene zu setzen versuchte, das längst von einem anderen Unternehmen betreut wurde und entsprechend
mit einem Stand auf der Messe vertreten war. Ein neuer Trend versucht die Kostenlage einer Messebeteiligung zu reduzieren und die Vorgaben der Mindeststandgrößen
zu umgehen. Für viele Kleinunternehmen der Tauchbranche – und das ist eine nicht unbeträchtliche Zahl – ist ein selbständiger Messeauftritt
betriebswirtschaftlich schlichtweg untragbar. Unter einem ganz anderen übergeordneten Firmennamen kamen Sie nun doch zu ein paar Quadratmetern Ausstellungsfläche,
leider blieben sie auf diesem Weg aber meist verborgen, da die entsprechenden Einträge im Messekatalog fehlten und es ist dem Zufall überlassen war die Anbieter im
Meer aus Licht, Farben und akustischer Eindrücke zu entdecken. Dass nun endlich auch die Schnorchler als ernsthafte Kundschaft ausgemacht wurden, ist
Seemann und SSI positiv anzurechnen. Richtungsweisend ist eine Schnorchlerboje von Seemann, die nicht nur als Signalmittel verwendet werden kann sondern auch als
Rettungsweste, die man sich mit einem Reißverschluss gesichert umlegt. Ein weiteres Highlight ist ein Schnorchel für Asthmatiker, in dem der zur Auflösung von Krämpfen
in den Atmungswegen notwendige Medikamentenspender integriert ist. Natürlich wurde von uns hinterfragt, in wie weit es Sinn mache einer Risikogruppe entsprechend in
ein wassersportliches Ausrüstungskonzept einzubeziehen, die medizinischen Erkenntnisse der das Projekt begleitenden Fachgremien flossen jedoch umfassend in die Idee
dieses Schnorchels mit ein. Dicht umlagert waren auch die Spezialanbieter von Trockentauchanzügen. Man kann zweifellos von einem regen Interesse sprechen,
dass die Mitarbeiter an den Ständen zu bearbeiten hatten. Allenthalben waren Maßbänder gezückt um Größen zu ermitteln. Tauchanzüge auf Maß, trocken, halbtrocken
oder nass ist das Spezialgebiet von MARION. Hier findet man endlich auch jemand, der den Mut hat an einer Schaupuppe zu zeigen, dass wirklich nicht jeder einen idealen
Waschbrettbauch seiner Körperform zuordnen kann. Nicht nur die Maßanfertigung als solches ist der Schwerpunkt bei MARION, besondere Konzepte bei der Verbindung mit
Trockenhandschuhen oder der Trockenanzug mit fest angesetzten Handschuhen lassen aufmerken. Bauer – Kompressoren stellte seinen Stand wieder unter ein
spezielles Motto, diesmal war das Thema Schatztauchen in einer realen Szene dargestellt. Ob die aus dem Sand herausragenden Porzellanscherben tatsächlich aus der Ming
– Dynastie stammen, wurde weder bestätigt, noch dementiert. Da eine spürbare Anzahl von Shops nicht mehr auf der Messe präsent war, hielten sich die üblichen
Geplänkel, wer denn schon die Nerven verloren hätte und Ware unter dem Einkaufspreis abgäbe, in Grenzen. Vielmehr enttarnte unsere Redaktion einen neuen Trick die
Käufer anzuziehen. Man überklebt einfach auf einer großformatigen Offerte sichtbar den Preis mit einem neuen Angebot. Da wir die Vortagespreise protokolliert
hatten konnten wir den neuen Schnäppchenpreis als identisch mit dem Angebot vom Vortag identifizieren. Verlierer der Messe waren die Besucher am letzten Tag,
denn es war eine Information an die Aussteller ausgegeben worden, dass eine Stromabschaltung ab 18:00 Uhr die individuelle Energieversorgung der Stände dann
unterbinden würde. Schon am frühen Nachmittag sahen sich daher die Messebesucher stellenweise Ständen gegenüber, die den Abbau bereits eingeleitet hatten.
Angesichts des spürbaren Eintrittspreises und der gerechtfertigten Erwartungshaltung der Messebesucher ist dies eine bedenkliche Entwicklung.
Die boot
2007 zeigte viele Facetten, weniger Besucher, höhere Kaufkraft, fehlender Interessentennachwuchs. Diese Erkenntnisse sollte man nutzen um auch die jüngeren Konsumenten
anzusprechen und zu erreichen. Der Messeleitung selbst bereitet der Besucherschwund allerdings kaum Kopfzerbrechen, 2008 sollen die Standmieten um 30% erhöht werden,
wie zu erfahren war. Dass eine Reihe von Ausstellern nun über einen Verzicht an der nächsten boot teilzunehmen bereits laut nachdenken, könnte der Diskussion um eine
alternative Tauchsportmesse neue Nahrung geben.
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