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Ein Jahr später. Wieder betritt man durch einen Seiteneingang die Halle 3, und wieder taucht man in die hoch konzentrierte Welt der
Unterwasserszene ein – Hersteller – Importeure – Basen – Reiseanbieter und Verbände. Erlaubt man sich den Luxus, den zweiten Sonntag, an dem
traditionell morgens schon in den Köpfen des Standpersonals die Strategien für den um 18:00 Uhr offiziell beginnenden Abbau der transportablen Scheinwelt entwickelt
werden, zu schwänzen, hat man das Gefühl, als sei man nie weg gewesen, als dauerte das Spektakel 365 und nicht 9 Tage.
Jede Messe hat ihre eigene
Ausstrahlung. Nach über 20 Jahren selbst erlebter boot hat man ein Gespür bekommen, was läuft und was nicht. Ein paar Meter in die Halle 3 geschlendert, die ersten
bekannten Gesichter geortet, den Blickkontakt hergestellt, das Feedback in der halben Stunde nach Ankunft am Nachmittag wirkt stets wie ein Geschäftsklima –
Index des Ifo – Instituts. Die Stimmung ist gut. Nicht euphorisch wie in manchen Jahren, in denen man sich nach Art von Baron Münchhausen an den Haaren
selbst aus dem Sumpf zu ziehen versuchte, nein, eine sachlich begründete, positive Ausstrahlung zeichnen die Sensoren auf. Das lässt die 700 km, eben erst auf der
Autobahn aus dem Süden kommend abgespult, vergessen. Ein Rundgang zur Orientierung addiert verschiedene Beobachtungen. Wie angekündigt sind einige der großen Basare
nicht mehr vor Ort, was den Messecharakter an dieser Stelle wieder deutlicher hervorhebt. Lange nicht mehr im Reigen der Aussteller gefundene Labels haben sich mit
angenehm gestalteten und offenen Ständen zurückgemeldet. Und an mancher Stelle diktierte betriebswirtschaftlich begründete Bescheidenheit ein eingeschmolzenes
Lebenszeichen dort, wo sonst jahrelang pünktlich um 18:00 Uhr ein Fass aufgemacht worden war. Ja, die Zeiten ändern die Sitten und weiter gedacht auch die
Gesinnung. Irgendwie scheint sich ein Prozess der Emanzipation entwickelt zu haben, gesunde eigene Meinungen ohne Ansätze von Höhenflug spiegeln sich aktuell in den
vielen Gesprächen wieder, die dem primären Eindruck folgten. Messehighlights waren wie stets dünn gesät, denn es macht keinen Sinn auf die boot hin das Spektrum
seiner Neuprodukte oder Entwicklungen geheim zu halten, das kann sich höchstens noch eine Automobilausstellung oder die Funkausstellung leisten, der Wassersportmarkt
hängt da denn doch zu weit unten im breiten Interesse der Bevölkerung. Da ziehen nur Insider die Augenbraue hoch, wenn etwas wirklich Neues präsentiert wird wie ein
Schnorchel, der verspricht immer trocken zu bleiben oder ein Tauchcomputer, der individuelle programmtechnische Veränderungen durch den User zulässt. Qualität ist
gefragt und hochpreisige Produkte finden dem Trend von 2007 folgend weiterhin spontane Abnehmer. Geld ist in einer Highend – Käuferschicht genügend vorhanden,
nur, man kümmert sich vielfach noch nicht im ausreichenden Maß um dieses spezielle Klientel. Widersprüchlich sind nach wie vor Lebensfreude simulierende Stände,
die mit gummierter Trauerkleidung bestückt sind, denn die Unfarbe Schwarz beherrscht immer noch die Anzug – und Jacketangebote. Mit diesen ungeeigneten
Protagonisten wird man sich auf Herstellerseite immer schwerer tun, die Leichtigkeit des Schwebens in einer tropisch bunten Unterwasserwelt glaubhaft zu verkaufen.
Umfragen zeigen, dass mehr als 60% deutliche Farben im Equipment wünschen. Wenn der Handel flächendeckend mit den gemütserhellenden, farbigen Produkten beliefert
werden würde, gäbe es auch keine Ausreden mehr, dass Farbe nicht verkäuflich sei. Und, da sind wir uns sicher, die Umsätze würden wieder in ein deutliches Plus
umschwenken. Was sich bereits bei einer UnterWasserWelt – Umfrage abzeichnet, die Nachfrage nach Trockentauchanzügen steigt. Nicht allein die wieder
aufflammende Ganzjahressaison – vielleicht unterstützt durch zwei milde Winter – begünstigt den Trend, die Ostsee generiert auch immer mehr
Taucherinteresse, besonders in den Kreisen, die jahrelang dem Mittelmeer treu gewesen waren und die dort unaufhaltsam steigenden Preisen für Übernachtungen, Essen und
Bootsausfahrten nicht mehr bezahlen können. Mancherorts hörten wir „Ostsee“ öfter als „Rotes Meer“ oder „Malediven“. Doch auch Süßwassertauchziele
gewinnen an Bedeutung, Österreich bietet hier eine Menge interessanter Möglichkeiten, wer es nachvollziehen will, der kann im Buch „Tauchen in Fließgewässern“
völlig neue Ziele ansteuern und sich verzaubern lassen. Dieser Schmöker wurde auf der boot vorgestellt. Rebreather waren einmal das tragende Thema einer
mittlerweile wie die Gletscher dahinschmelzenden Tek – Gemeinde. Wer hat in der Vergangenheit nicht versucht eine Dose Kalk, einen Atembeutel, eine Sauerstoff-
und eine Pressluftflasche zum abgehobenen Atemgaslieferanten zu stilisieren? Die meisten sind aus Halle 3 verschwunden, einige wenige, mit hochwertigen Produkten
werden noch lokalisiert. Dabei besonders interessant erscheint ein Modell, das bei Poseidon vorgestellt wurde. Eine Reihe von Features machen es alltagstauglich und
für den Schulbetrieb prädestiniert. Wer sich dafür erwärmen möchte, muss auch ein intensives 4-Augen Gespräch mit dem Sparschwein einplanen, € 4500,-
schichten im Orderfall das Vermögen um. Reisen zu abgelegenen, wirklich exotischen Destinationen bestimmen auch 2008 bei vielen Veranstaltern das
tragende Buchungsvolumen. Klassiker finden sich oft im Abseits. Das Rote Meer wird oft nicht mehr als Aufmacher im Angebotsreigen verwendet. Ägypten ist hier zum Teil
sicher auch selbst schuld, angesichts ungezügelt wachsender Hotelburgen, die schon längst nicht mehr mit den Gästen der normalerweise möglicher Flugbewegungen in
Hurghada oder Marsa Alam belegt werden können. Selbst Safariboote bleiben in Spitzenzeiten im Hafen, weil es keine Flüge mehr gibt, die reisewillige Urlauber in 4
Stunden an ihr Ziel im Südosten bringen würden. An diesen Engpässen haben durchaus inländische Anbieter mitgewirkt. Nachdem viele Reiseveranstalter sich des Risikos
entledigten, feste Sitzplatzkontingente bei Charterlinien einzukaufen und stattdessen nur noch nach fester Buchungsabsicht die Verfügbarkeit von Flügen abklären, muss
man außerordentlich früh buchen, um im gewünschten Zeitraum ans Ziel zu kommen. Was sich von Westeuropa aus dann nicht auf den Weg machen kann, wird in Ägypten
partiell von Urlaubern aus Russland „abgefedert“, mit den bekannten Auswirkungen und darauf folgenden Abstinenzen westlicher Reisender. Die Augen offen halten
muss man allgemein bei den Flugreise – Offerten. Vielfach bemüht man sich den Preis wie im Supermarkt unter emotional magischen Grenzen zu halten, im
Kleingedruckten überrumpelt einen dann die ganze Wahrheit, bis zu € 260,- Kerosinzuschlag machen aus dem Schnäppchen für manchen ein unverdauliches Häppchen.
Eine vierköpfige Familie berappt dann € 1040,- mehr, als erwartet, für viele eine Hürde jenseits von Gut und Böse. Besucherzahlen sind auch
immer ein Thema der boot. Nach einigen Jahren des belegten Besucherschwunds sollen 2008 etwa 6000 Besucher mehr gezählt worden sein, 279.000 Gäste hat man ermittelt.
Woher der plötzliche Anstieg des Besucherinteresses an Halle 3, der sich konstant bei etwa 20% aller Besucher eingependelt hatte, gekommen sein soll und nun mit 25%
angegeben wird, das ist und bleibt ein orientalisches Geheimnis wie aus 1000 und einer Nacht. Diese Entwicklung konnte trotz aller positiver Stimmung als Feedback von
den Ausstellern quer durch die Halle nicht bestätigt werden. Stimmung unter die Aussteller brachte außerdem ein offenes Brainstorming, ob nicht wieder eine eigene
Ordermesse auf den Weg gebracht werden sollte. Während die dieses Thema beratenden Firmen in den Prozess der Abwägung von Für und Wider eintraten, betätigte sich
spontan abseits der eigentlich angesprochenen Klientel ein Kritikerforum, das den Keim eines übergreifend positiven Konsens in der Branche, ein längst überfälliger Akt
der gemeinsamen Zukunftsgestaltung, ad absurdum führen wollte.
Wie dem auch sei, 9 Tage Messe sind für die in Halle 3 engagierten Vertreter sämtlicher Anbieter
und Institutionen eine verführerische Kulisse, die mit der Realität der restlichen 356 Tage des Jahres wenig zu tun hat. Einmal im Jahr kommt man mehr oder weniger
zusammen, trifft alte Bekannte und lernt man neue Partner und Firmenvertreter kennen. Wie immer gibt es zwei Welten in Halle 3, die der Aussteller und die der
Besucher. Und wie immer kann nur ein respektierendes „Zusammen“ für die Tauchsportszene in all ihren Facetten den Weg in die Zukunft weisen. Ach
ja, die Grafiker der Messe, die das Logo für Halle 3 entwarfen, stellten einen Taucher mit einer negativ fallenden Linie dar. Das hätte Profis nicht passieren dürfen,
sogar der VDST hatte sich vor ein paar Jahren von seinem Negativ - Taucher getrennt...
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