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Interview: Deisy Blättler Castro, Fotos Matthias Blättler, Andollo 7.2001
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Deborah Andollo Lopez, geboren am 9. Mai 1967 in Havanna (Kuba), begann im Alter von 4 Jahren mit dem Wettkampf - Schwimmen. Mit 11 Jahren
wechselte sie zum Synchronschwimmen und blieb während den 12 folgenden Jahren in dieser Disziplin, in der sie eine Unmenge internationaler Anerkennungen erhielt. Als
Unterwasserfoto - Modell kam sie zum Tauchsport, und im Jahr 1992 erreichte sie – eigentlich aus Spass und zum allgemeinen Erstaunen - 38 m Tiefe mit konstantem
Gewicht. Damit begann eine glänzende Karriere, mit vielen Opfern, aber auch ebenso vielen bedeutenden Weltrekorden, die den Frauen – Apnoe - Sport
entscheidend beeinflussten. Ihre sportliche Karriere unterbrach sie 1998 vorläufig, weil sie Mutterfreuden entgegensah,.
Deborah empfängt uns an einem frühen
Sonntagnachmittag im Februar in ihrem wenige Kilometer von Havanna entfernten Haus. Wir lernten uns im Vorjahr in Italien kennen, und sie hatte uns eingeladen, sie
während unseres nächsten Kuba - Aufenthaltes zu besuchen. Wegen der brütenden Hitze beschliessen wir – mit Schweissperlen auf der Stirn – einstimmig, an
das wenige Schritte entfernte Meer hinunterzugehen und dort bei einer erfrischenden Brise während unserer Unterhaltung ihrem Sohn Ernesto zuzusehen, der in einer
kleinen einsamen Bucht mit Eimer, Schaufel und Sandförmchen spielt.
Deborah, an welchen Rekord erinnerst du dich am liebsten?
Mein schönster
Rekord ist der –110 m NO LIMIT im Mai 1996 auf der Isla de la Juventud hier in Kuba, anerkannt von der CMAS/AIDA. Ich hatte ihn seit Jahren ersehnt, weil
Angela Bandini ihn seit mehr als 7 Jahren innehatte. Ich bin sehr kämpferisch veranlagt und konnte es gar nicht erwarten, diesen Rekord zu schlagen!
Eine
optimale Vorbereitung ist in dieser Disziplin unerlässlich. Wie und wie oft trainierst du?
Ich trainiere in verschiedenen Abschnitten, normalerweise Lauf-
und Hallentraining am Vormittag sowie ABC - Schwimmen während weiterer anderthalb Stunden am Nachmittag. Wenn ich nicht ins Meer hinaus kann, trainiere ich in den
Bergen mit Auf- und Abwärtsläufen. Ein grosser Teil des Trainings besteht natürlich in Autogenem Training, wobei die Vorbereitung mit der Tiefatmung vor der Apnoe
gesteigert wird. Alles in allem bedeutet dies ein 10 - monatiges Training im Jahr.
Was für Beziehungen hast du zu den übrigen Apnoe - Tauchern. Ist das nur
Wettkampf oder auch Freundschaft?
Sport bedeutet natürlich generell Wettkampf, und dies gilt auch für die Apnoe, obwohl dies eine sehr individuelle
Disziplin ist. Es bestehen jedoch im allgemeinen gute Beziehungen untereinander. Im besonderen bin ich sehr gut mit Umberto Pelizzari befreundet, von dem ich glaube,
dass er diese Disziplin ausgesprochen aufrichtig und natürlich angeht.
Erzählst Du uns, warum Du sieben Münzen ins Meer wirfst, bevor du tauchst?
Die kubanische Kultur beruht auf verschiedenen Glaubensprinzipien. "Yemayà" ist der Name der Schutzheiligen des Meeres, die wir Kubaner um Schutz und
Beistand bitten. Traditionsgemäss werfe ich vor meinem Tauchgang sieben kubanische Münzen ins Meer, als Schutzzoll für meine Hin- und Rückreise in ihrem Hoheitsgebiet,
den Meerestiefen!
Kannst du uns etwas über das Team sagen, das dich auf den Tauchgängen begleitet?
Seit 9 Jahren tauche ich praktisch mit der
gleichen Mannschaft, bestehend aus 7 kubanischen Tauchlehrern. Ich erwähne diese, weil ich glaube, dass es ohne sie sehr viel schwieriger gewesen wäre, mein Ziel zu
erreichen. "Sani" kümmert sich um den gesamten technischen Bereich, ist verantwortlich für die Installation des Schlittens und des Krans und kontrolliert
alle für die Apnoe nötigen Ausrüstungen. "Queca" ist der Taucher der mir an der Oberfläche assistiert. "Eric", mein Mann, bei –40 m,
"Larry"
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bei –60 m, "Bla" hat bei –70 m die wichtige Aufgabe, mir die Tiefe zu melden, "Crespo" und "Carbajal" sind bei –100 m. Auch eine
Mannschaft aus 4 italienischen, auf Trimix spezialisierten Tauchern gehört zu meinem Team und assistiert mir im Moment bei –130 m. Diese grosse Zahl an Helfern bedingt eine
perfekte Organisation, weil es in unvorhergesehenen oder schwierigen Situationen äusserst wichtig ist, dass jedes Mitglied der Mannschaft augenblicklich und nach vorgeschriebenem
Schema reagieren kann. Bei einem meiner letzten Tauchgänge hatte ich ernsthafte Probleme, weil eine Flosse sich im Schlitten verfangen hatte und ich auf –115 m wertvolle
Sekunden verlor. Mit Hilfe der Sicherheitstaucher konnte ich mich befreien und ohne Probleme aufsteigen.
Du praktizierst Apnoe seit Jahren. Wie beurteilst Du die gegenwärtige Situation in dieser Disziplin?
Als Athletin kann ich über niemanden urteilen, aber ich glaube, dass diese Disziplin zu gefährlich wird und leider oft und gerne in banalen Shows endet. Die Apnoe ist eine
ernstzunehmende Disziplin, erfordert grosse Opfer während der Vorbereitung , wobei die Sicherheitsvorkehrungen, die während des Tauchganges sowohl vom Apnoe - Taucher wie von der
gesamten Begleitmannschaft einzuhalten sind, nicht vergessen werden dürfen. Immer wieder gibt es neue Apnoe - Taucher, die die Grundregeln missachten und diesen Sport
bedauerlicherweise in eigentliche Tragödien verwandeln, indem sie ihr Leben und das der anderen aufs Spiel setzen.
Im übrigen wird im Moment viel über die Zuverlässigkeit
von Rekorden diskutiert. Der gesamte Tauchgang wird als zusätzlicher Beweis für die Juroren gefilmt, aber offenbar gelang es schon jemandem, die Filme vor ihrer Prüfung durch
vorgängig registrierte Aufnahmen zu ersetzen. Bei meinem letzten Rekord brachte ich neben dem Schild, das die erreichte Tiefe bewies, auch einen Schlüsselbund an die Oberfläche,
der mir bei der maximal erreichten Tiefe übergeben worden war. Ich war natürlich etwas überrascht und verstand nicht, was das bedeutete. Eine ebenso einfache wie wirkungsvolle
Vorkehrung des schweizerischen Jurors, um den Rekord definitiv zu bestätigen und anzuerkennen. Es bekräftigte die Authentizität der Videoaufnahmen, als er sah, dass ich seinen
Schlüsselbund in der Hand hielt, als ich an die Oberfläche kam!
Hattest du bei Beginn deiner Karriere ein Vorbild?
Ich habe viele Jahre Jacques Mayol
nachgeeifert, der für mich ein echtes Vorbild war. Ich glaube, dass er dem Apnoetauchen durch die Einführung der Yoga - Atemtechnik einen entscheidenden Auftrieb gegeben hat.
Diese Technik beinhaltet allerdings auch eine ganz bestimmte Art zu leben, zu denken und sich zu ernähren, die täglich und konstant angewendet werden muss. Ich persönlich
praktiziere diese Technik nicht, weil ich im Laufe der Jahre eine eigene entwickelt und verfeinert habe, die sich bis heute bewährt hat.
Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Während der nächsten drei Jahre werde ich sicher versuchen, meine Leistungen und bisher erzielten Rekorde zu verbessern; ich habe jedoch auch noch andere Projekte im
Hinterkopf, die ich in allernächster Zukunft verwirklichen möchte. Seit längerer Zeit möchte ich schon eine Schule gründen, in der ich meine während Jahren erworbenen
Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln kann, besonders bezüglich der Atemtechniken. Natürlich nicht nur denjenigen, die Apnoetauchen lernen möchten, sondern der Allgemeinheit, auch
als wirksame Antistress - Methode. All dies würde natürlich nahe am Meer stattfinden und dem Tauchen würde ein grosser Spielraum zugeteilt. Ich habe bereits den Ort gewählt
– natürlich hier in Kuba -, der allen Anforderungen perfekt genügt, aber im Moment möchte ich noch nichts Näheres darüber verraten!
Von AIDA und CMAS anerkannte Weltrekorde:
- 50 m free diving Mai 1992 Varadero, Kuba CMAS
- 60 m mit konstantem Gewicht Nov. 1992 Isla de la Juventud, Kuba CMAS - 52 m free diving Mai 1993 Varadero, Kuba CMAS
- 61 m mit konstantem Gewicht Juni 1993 Cayo Largo, Kuba CMAS - 80 m mit variablem Gewicht Febr. 1994 Isla de la Juventud, Kuba AIDA
- 60 m free diving Mai 1994 Isla de la Juventud, Kuba AIDA - 85 m mit variablem Gewicht Nov. 1995 Isla de la Juventud, Kuba AIDA
- 110 m "no limits" Mai 1996 Isla de la Juventud, Kuba AIDA/CMAS - 62 m mit konstantem Gewicht Okt. 1996 Sardinien (I) CMAS
- 90 m mit variablem Gewicht Juli 1997 Sardinien (I) AIDA - 65 m mit konstantem Gewicht Dez. 1997 Isla de la Juventud, Kuba CMAS
- 95 m mit variablem Gewicht Juli 2000 Parghelia (I) AIDA - 115 m "no limits" Juli 2000 Parghelia (I) AIDA
Die Daten der Taucherin
Lungenkapazität: 6 Liter Statische Apnoe: 06.04 Min. Apnoe in Bewegung: 04.05 Min.
Am späten Nachmittag verabschieden wir uns von Deborah und kehren in die Hauptstadt zurück. Wir lassen den in ihrer Gesellschaft verbrachten Nachmittag nochmals in unserem
Gedächtnis zurücklaufen und denken an die sympathische und freundschaftliche Art, in der sie uns empfangen hat, zurück. Irgend jemand hat sie einmal die Königin des Frauen - Apnoe
-Tauchens genannt – dem können wir nur zustimmen. Man wird sicher noch viel von ihr hören!
Website: www.palmicus.ch/aida.htm
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