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Gut, dass wir so früh aufgebrochen sind, so sind wir die ersten, die sich hier einem ausgesuchten Ziel nähern. Andy hatte in den letzten Tagen dort eine größere Gruppe von Seekühen
ausgemacht und hofft, dass sie sich noch in der Nähe der warmen Quelle aufhalten, weil die Lufttemperatur recht niedrig ist und der Wasserstand – in Abhängigkeit von Ebbe
und Flut – die ideale Höhe hat. Wir fragen ihn, wie viele Tauchbasen hier Manateetouren anbieten. Es seien offiziell etwa 13 mit einer Kapazität von jeweils etwa 60
Schnorchlern, dazu kämen nicht gemeldete Anbieter aus Tampa und sogar von Orlando. Es wäre also an Wochenenden in der Saison, also im Winterhalbjahr, immer eine Menge los. Nach
ein paar Minuten schon sind wir an einer kleinen Insel, in dessen Mitte warme Quellen sprudeln. Eine Manateeschutzzone ist markiert, hierhin können sich die Tiere zurückziehen,
ausruhen, schlafen, ohne von Tauchern oder Schnorchlern belästigt zu werden. Wer die Markierungen missachtet hat mit wirklich empfindlichen Geldstrafen zu rechnen und Mitglieder
einer freiwilligen Manateewache, die die Schutzzonen von Kanus aus auf kurzem Weg beobachten sorgen für Disziplin. Wir haben Glück, die grauen Riesen sind noch da und es
beginnen fast zwei Stunden Manateekontakte der besonderen Art. Mit der Kamera bin ich als erster im Wasser, sanft am Boot herabgelassen in das brusttiefe, warme und klare
Wasser. Bodenkontakte mit den Flossen sind tunlichst zu vermeiden, denn der Boden ist aus feinem Sediment gestaltet, dessen Aufwirbeln die Sicht sofort eintrübt. Kaum im Wasser
kommt ein Manateeweibchen kontaktfreudig auf mich zu und ich kann es kaum auf Distanz halten um nicht nur Detailaufnahmen vom rechten Auge zu machen. Ich berühre das
friedlich neugierige Tier, streiche über dessen Haut, entlang der Flossen und wie auf ein Zeichen legt sie sich auf den Rücken und lässt zufrieden wie eine Stubenkatze ausführlich
den Bauch kraulen. Solche Momente sind einzigartig und immer wieder ergreifend, gibt es in der Natur keine vergleichbaren Tier – Mensch – Kontakte, auch nicht bei
Delfinen. Ein Muttertier und ihr Junges suchen nach Kontakten mit den Schnorchlern, eine Serie friedvoller Naturfotos wird in der Olympus C 8080 gespeichert...
Manatees
leben allein oder in kleinen Gruppen mit bis zu 8, 10 Tieren. Im Alter von etwa 3 Jahren sind sie geschlechtsreif. Für etwa zwei Wochen sind Männchen und Weibchen ein Paar, in der
Zeit finden durchschnittlich 20 Begattungen statt. Die Schwangerschaft dauert bis zu 14 Monaten, ein Junges wiegt bei der Geburt zwischen 30 und 70 Pfund und ist bis zu einem
Meter lang. Im Abstand von durchschnittlich 2 ½ Jahren werden Manatees schwanger. Sie ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch, Dugongs sind jedoch dabei beobachtet worden,
dass sie auch Fische aus Netzen geholt und verspeist haben. Seekühe, die sich vor etwa 50 Millionen Jahren als Elefanten von einem Leben auf dem Festland verabschiedeten um den
Daueraufenthalt im und unter Wasser vorzuziehen, haben ihre Wurzeln in Südamerika. Zahnprobleme kennen sie nicht, nach den Milchzähnen der Kälber wachsen lebenslang bei Bedarf
Zähne nach. Allerdings unterscheiden sich hier Manatee und Dugong. Während beim Manatee, fast vergleichbar zu den Haien, die neuen Zähne im Kiefer bereits vorbereitet sind und nur
nach vorne wachsen müssen, ist der Nachschub beim Dugong vergleichbar zum normalen Zahnwechsel. Angepasst an die Lebensweise unter Wasser ist natürlich auch die Lunge sowie der
Kreislauf. Um bis zu 20 Minuten in Ruhephasen abgetaucht bleiben zu können, sind die Lungen der Tiere etwa 1 Meter lang und in einzigartigerweise in zwei nahezu unabhängige Flügel
geteilt. Bei Verletzungen eines Lungenflügels kann der andere dessen Aufgabe übernehmen. Die normalen Tauchzeiten beim Fressen dauern bis etwa 3 Minuten. Um länger abzutauchen
verlangsamen die Tiere die Herzfrequenz bis auf 8 Schläge pro Minute. Während die Manatees beim Atemholen nur 10% des Lungenvolumens austauschen, ersetzen die Dugongs 90% der Luft.
Um das Leben auch im Brack- oder Meerwasser zu ermöglichen sind die Nieren besonders ausgebildet, zudem unterstützt das Fettgewebe die Gewinnung von Süßwasser für den
Vitalbedarf der Tiere. Die Verhaltensweise der Seekühe ist ausgesprochen friedlich. Es ist nur ein einziger Zwischenfall bekannt, bei dem sich ein Schnorchler zwischen ein
Muttertier und einem erst wenige Stunden alten Jungtier geschoben hatte und das Muttertier zum vermeintlichen Schutz des Kindes zubiss.
Langsam kommt noch mehr Leben ins
Wasser und die Sicht verschlechtert sich zusehends. Während die in der Schutzzone ruhenden Tiere wie Autos auf einem Parkplatz abgestellt wirken und das Treiben rundum stoisch
ignorieren, zappeln und paddeln Gäste mittlerweile hinzugekommener Tourboote um die aktiven Seekühe. Ein kurzer Rundumblick und ich zähle 4 neue Boote und schnappe überwiegend
deutsche Wortfetzen auf – das alte Europa in friedlicher Mission. Ein Manatee zeigt uns den versteckten Weg in das traumhafte Innere der Halbinsel und wir folgen ihm
unauffällig um die anderen nicht auf unsere Fährte zu setzen. Ein kurzer, flacher Kanal, gesäumt von Mangroven, dann öffnet sich ein kristallklares Becken in form einer 8, das
Sichtweiten von mehr als 50 Metern zulässt. Dort sind wir allein mit dem Tier, das gezielt eine dicke Wurzel aufsucht und sich daran kräftig den Rücken scheuert. Ein Trichter von
gut 7 Metern Tiefe markiert den Hauptzufluss der Quelle, doch an unterschiedlichsten Stellen dringt das warme Süßwasser aus dem Boden und vertreibt in kurzer Zeit das Sediment,
das vom Manatee selbst aufgewirbelt wurde. Es gelingen einzigartige Aufnahmen und nach einer Stunde im Wasser ist der erste Chip mit 512 MB Kapazität voll. Ein Tastendruck lenkt
den Datenstrom auf den weiteren Speicher mit einem GB um, es gibt keinen Grund auf irgendein Motiv zu verzichten. Zunächst bedauerte ich, dass der Tag wolkenverhangen und
untypisch für die Situation hier ist, doch nachdem keine Reflexe durch Sonneneinstrahlung entstehen können, sind die Sichtweiten besonders groß und die Abbildung der Natur unter
Wasser scharf und klar. Es hat sogar zu regnen begonnen, doch das stört uns nicht im warmen Wasser, in dem ein 5 mm Anzug geradezu ideal ist. Eine weitere Attraktion am Rande ist
ein großer Fischschwarm, der ortsfest seine Kreise zieht und uns wie bei einem Tropentauchgang umringt. Ein kleines Rätsel geben uns die Manatees hier im Quellbecken noch mit
auf den Weg, denn verschiedene Tiere suchten einen identischen kleinen Platz ohne Vegetation auf, in den sie tief mit ihren Schnauzen hineinbohrten und im Schlamm scheinbar etwas
fraßen.
Wer hat an der Uhr gedreht? Fast zwei Stunden sind wir im Wasser und Andy ruft uns zurück an Bord, lange bevor das Gefühl von Kälte oder ein voller Speicherchip das
freiwillige Ende der Exkursion einläuten würden. OK, wer auf eigene Faust mit den Manatees schnorcheln will, der kann sich ein Boot mieten für einen ganzen Tag. Das könnte man
nach einer geführten Tour auch so organisieren, nachdem man sich zunächst unter Anleitung einen Einruck verschaffte, wo man die Tiere finden könnte und wie man sich in ihrer Nähe
verhält. Auf jeden Fall ist das Treiben auf dem Wasser mittlerweile so angewachsen, dass der Abschied nicht sonderlich schwer fällt. Gemächlich dümpelt das Boot zurück zum Anleger
am Tauchshop und begeistert unterhalten wir uns über die noch frischen Erlebnisse. Für die, die nicht filmen oder fotografieren hat Andy auf Digital-Video den Unterwasserausflug
festgehalten und zeigt das Video vor dem Auschecken. Für knapp US $ 30,- kann man eine Kopie auf Band bekommen, für US $ 45,- eine DVD.
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