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Tauchen assoziiert selbst ein Nichttaucher spontan mit dem Roten Meer und Ägypten. Farbenfrohe Fische, Korallen in allen erdenklichen
Formen und glasklares Wasser, so kennt jeder Ägypten unter der Wasseroberfläche. Manchmal aber, wie wir wissen, verbirgt das Wasser beachtliche Fundstücke
vergangener Epochen. Wracks und Amphoren, durch Kriege oder schwere Wetter für immer vom Meer verschlungen, können vielerorts nur von Tauchern bestaunt werden oder
werden gar mehr oder wenig fachmännisch geborgen. Ein wahrer Meister dieses Gebiets ist Franck Goddio, der ursprünglich nach seinem Mathematik und Statistik - Studium
als Finanzberater der Vereinten Nationen tätig war, später aber Nadelstreifen und Hemdsärmel gegen Neopren und Vollgesichtsmaske eintauschte.
Franck Goddio
hat das Aufspüren von Relikten vergangener Kulturen zu seinem Steckenpferd und Beruf gemacht. Außerordentliche Funde, wie die einer mit feinstem Porzellan beladenen
chinesischen Dschunke, krönten bereits seine Arbeit und machten seinen Namen nicht nur in Taucherkreisen weltbekannt. Eines jedoch wird wohl lange nicht zu
übertreffen sein: Die außerordentlichen Funde vor der heutigen Hafenstadt Alexandria, der "Perle des Mittelmeers", sowie in der Bucht von Abukir. Dazu die
sagenumwobene, längst verloren geglaubte Stadt Herakleon und der antike Hafen von Alexandria mit Teilen des Königsviertels, sowie Teile der Stadt Kanopus, die erstmals
vom 13.5. bis 4.9.06 in Berlin ausgestellt wurden und nun in der Bundeskunsthalle in Bonn, vom 5. April 07 bis 27. Januar 08 gezeigt wird. Die Besucher
können 498 erstaunlich gut erhaltene Fundstücke des Alten Ägypten auf sich wirken lassen. Einige der Statuen sind so gewaltig, dass sie mittels Kran durch die Fenster
des Baus befördert werden mussten. Große Beluga-Transportflugzeuge waren vonnöten, um die gut 5 m hohen Statuen aus Rosenquarz nach Bonn zu schaffen. Angesichts
solcher Dimensionen ist es umso verwunderlicher, welch kleine Goldmünzen, Ringe und Ohrschmuck, ja selbst die Tülle einer Babyflasche das Team um Franck Goddio barg.
Sogar anfänglich eher unscheinbare, gut fingergroße Objekte, später als steinerne Phalli für Götteropfer identifiziert, wurden entdeckt und zeugen von den
delikaten Seiten jener Kulturepoche. Die Bevölkerung Alexandrias war verwegen und unsentimental, Krüppel, Bettler und Huren zog die pulsierende Stadt mit etwa
600.000 Einwohnern ebenso an, wie reiche Handelsleute und Herrscher. Ein Wirtschaftsriese, jedoch ohne inneren Halt, der sinnlichen Raserei verfallen, die Metropole
mutete morsch an und zugleich gleißend vital. Im Königsbezirk mit Tempeln, Gärten, Marmorpalästen, Harems- und Büroräumen, verteilt über fast ein Viertel der
gesamten Fläche der Stadt, lebte eine Dynastie von Gottkönigen, die einen bizarren und frevelhaften Lebensstil pflegten. Prunkvolle Bauten bewohnten diese, mit
inzwischen zerborstenem Basaltpflaster, auf dem einst gespreizte Höflinge zu Banketten schritten und sich an erotischen Gesängen ergötzten. Einige der Hausherren
sind nun als Statuen in der Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“ zu bewundern. Sie lächeln nett, haben sanfte Gesichter. Jedoch der Schein trügt. Brutale
Morde wurden regelrecht inszeniert; Giftbecher und Dolche kreisten in der aus leuchtendem Marmor errichteten Machtzentrale am Nildelta. Selbst Kleopatra, sündige, aber
oft ein wenig verklärt positiv dargestellte Regentin, schreckte vor Mord nicht zurück. Sie ließ ihren Bruder beseitigen und gab sich in ihrem Boudoir der schwarzen
Magie und Zauberei hin. Römische Historiker stellten sie wiederum als leichtlebiges Luxusflittchen dar. Die gezeigten Objekte werden, apart in sanftes Licht
gehüllt, in den einzelnen Räumen, jeweils in Zusammenhang mit den Fundorten gebracht, Schaukästen zeigen Hintergrundinformationen, Lagepläne und Grundrisse der
ertauchten Gelände, Modelle der Hafenanlagen und Königpaläste. Übergroße Fotos und Videos des Tauchteams um Franck Goddio auf Bildschirme und Leinwände projiziert
runden das Gesamtbild ab und machen den Besuch zu einem eindrucksvollen Spaziergang durch die Vergangenheit. Wer mag, wird über einen Audioführer im handlichen
Handyformat über Details informiert.
Fazit: ein spannender und aufschlussreicher „Tauchgang“ in die frühe Geschichte unserer Zivilisation, eindrucksvoll
dokumentiert und dargelegt anhand von unzähligen Fundstücken, sorgsam aus dem Roten Meer geborgen, katalogisiert und zu einem beeindruckenden Gesamtbild
zusammengefügt. Auch für sonst an Archäologie und Geschichte eher Uninteressierten ein bleibendes Erlebnis.
Das Buch Ägyptens versunkene Schätze – vorgestellt in UnterWasserWelt
www.aegyptens-versunkene-schaetze.org www.franckgoddio.org
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