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Das Telefon klingelt. Kein ungewöhnlicher Moment in einer Redaktion. Da wünscht man sich eher, dass es mal ein paar Stunden Pause geben
würde bei den Klingeleingriffen in die individuellen Arbeitsabläufe. Wer ist am Apparat? Die Bank? Die Stimme kennt man von lange Jahre zurück liegenden
persönlichen Transaktionen am Schalter, doch seit es Onlinebanking gibt, sind Gesichter und dazugehörige Stimmen dem Gehirnarchiv zugeordnet, unterste Schublade,
geringer Aufruffaktor. Quasi vergessen. „Können Sie bei uns vorbeischauen, es gibt da ein Problem mit Ihrer Kreditkarte.“
Wieso sollte es ein Problem mit meiner Kreditkarte geben? Sie wurde nie aus der Hand gegeben – außer bei vertrauenswürdigen Unternehmen – sprich
Restaurants. Oder Rezeptionen von Hotels. Der Anruf macht neugierig und schneller als eigentlich geplant wird die Einladung zum Gespräch wahrgenommen. Also,
zurücklehnen im teuren Designersessel für Kundengespräche, zurückgelehnt und siegessicher einen Bankirrtum a la Monopoli schnellstens nachweisen zu können, wird der
Mitarbeiter der Bank erwartet. Es betritt der von der Mitternachtssonne gebräunte Hilfsbanker die Bühne. Wie üblich verleihen irgendwelche Papiere in der Hand
und eine Akte unter dem Arm ein hohes Maß an überlegener Information, einschüchternd, keinen Widerspruch duldend. Alles ist aktenkundig. Nur der, den es betrifft ist
nicht kundig. Nun gut, er ist sicher kundig, aber nicht aktenkundig. „Ihre Kreditkarte wurde von einem Sicherheitssystem identifiziert und alle relevanten Daten der
Karte wurden abgegriffen für mögliche betrügerische Transaktionen“, lässt der Kundenkontaktbanker vernehmen. Meine Karte. Nein. Nicht möglich.
Wo soll denn das passiert sein und - wann? Der Gesprächspartner, der wahrscheinlich für einen Ausflug nach Berchtesgaden schon einen Pass beantragen würde,
sagt triumphierend nur: „Ägypten.“ Ägypten geht es mir durch den Kopf, in Ordnung, mein Pass sieht mit den vielen Einreisevisa aus wie ein ägyptisches
Briefmarkenalbum. Aber es gibt keine gedankliche Initialzündung, wo, wann und wer meine Kreditkarte geklont haben könnte.
Schön zurückgelehnt bleiben. Selbstsicher. Siegessicher. „Ihre Karte wurde am 12. August 2006 kopiert. In Ägypten. Das steht außer Zweifel.“ Seinen
Kommentar untermauert der Banker mit einem stoisch in seine Unterlagen gerichteten Blick. Funkstille. Ob denn die Karte seither missbraucht worden wäre, ist
meine erste Frage weit abseits aller Selbstsicherheit in dieser Sache. „Darüber gibt es keine Erkenntnisse, sie parkt wahrscheinlich nur, um nach einer längeren
Sicherheitspause zum Einsatz zu kommen.“ Im fraglichen Zeitraum befand ich mich tatsächlich in Ägypten, in einem angesehenen Resort, in dem die Karte nur für
die Endabrechnung aus der Hand, sprich in die Hand des Rezeptzionisten gegeben worden war. Ein Stückchen meiner Welt, die positiv gestimmt ist, bekommt Risse und
ich eine neue Kreditkarte. Die alte Plastikscheibe hat nun keine Funktion mehr. Berufsrisiko. Für Gauner. Für ehrliche Kartenanwender.
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