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Es muss nicht immer von Canon oder Nikon die Rede sein, wenn digitale UW-Aufnahmen gemacht werden. Auch andere Mütter haben schöne und edle Töchter. Eines dieser reizvollen
Wesen hatte Herbert Frei auf seinen Tauchreisen dabei und kann im Wesentlichen nur Gutes über diese Partnerschaft berichten.
Einst war Minolta einer der
führenden Kamerahersteller, wenn es um die Präsenz bei UW-Aufnahmen ging. Ursache war der 1986 von Minolta erstmals in einer Spiegelreflexkamera vorgestellte Autofokus mit
Phasendetektion, der glücklicherweise auch unter Wasser funktioniert, weil er auf dem System der Kontrastmessung beruht. Dann wurde es still um die innovative Kamerafirma, obwohl
sogar mit dem Highend Label Leica eine Kooperation bei der Fertigung von Kamerabodys und Objektiven bestand. Von den Profiboliden der Hersteller Canon und Nikon überrumpelt und an
die Wand gedrängt, schien man auch den Schritt ins digitale Fotozeitalter verschlafen zu haben. Es schien aber nur so. In wirtschaftlich schwerer Zeit verband man sich mit dem
Technologiekonzern Konica und nannte fortan die Liaison Konica-Minolta. Wie Phönix aus der Asche präsentierte man 2004 ein unglaublich innovatives und zukunftsorientiertes
Kamerasystem mit dem Semiprofimodell Dynax 7D.
Anti-Shake
Geschüttelt, aber nicht gerührt. Ein bekannter Spruch aus Agentenkreisen, der die 7 D so kalt wie
eine Tiefkühltruhe lässt. Denn die Dynax 7D verfügt über ein Antiverwackelungssystem, das auf einem CCD-Shift-Mechanismus beruht, bei dem der Bildsensor die Zitterbewegungen des
Konica-Minolta Fotografen ausgleicht, wenn dieser mit langen Verschlusszeiten fotografiert, etwa in großen Tiefen, wenn man mit einer verlängerten Synchronzeit ein Motiv belichten
will. Erfreulich: Anti-Shake ist auch mit Blitzlicht kombinierbar. Das Anti-Verwackelungssystem funktioniert im Prinzip mit allen original Minolta-Objektiven. Einschränkungen gibt
es im Makrobereich, wenn die Schärfentiefe sehr gering wird. Doch auch hier ist Anti-Shake in Funktion, wenn auch nicht immer optimal. Kein Anti-Shake gibt es mit dem
speziellen hauseigenen 3:1- Makroobjektiv. Aber das verwendet ohnehin keiner unter Wasser. Und Anti-Shake könnte eventuell bei manchen Fremdobjektiven nicht optimal reagieren.
Konica-Minolta gibt diese Warnung vorsichtshalber heraus. Bei unseren einschlägigen Tests mit Sigma-Objektiven sind aber keine negativen Störungen in Erscheinung getreten. Wegen
des um mehrere Millimeter aus dem Bildzentrum verschiebbaren Bildsensors benötigt dieser, um optimal funktionieren zu können, den größeren Bildkreis der Kleinbildobjektive. Die
7D-Objektiven kann man deshalb auch an analogen Dynax-Kameras, ohne sichtbare Einschränkungen, verwenden. Seine große Stärke spielt die Anti-Shake-Technologie bei
Weitwinkelbildern aus, wenn kompatible Konica-Minolta Objetive verwendet werden. Denn das ist der Vorteil zu allen anderen Anti-Verwackelungssystemen - es harmoniert mit allen
Original-und vermutlich mit den meisten Fremdobjektiven. Während man bei Canon und Nikon die Anti-Verwackelungs - Technologie bei jedem damit ausgestatteten Objektiv teuer
mitkaufen muss, wird sie beim Kauf einer Konica-Minolta D-SLR im Kameragehäuse mitgeliefert. Ein sensationeller Schachzug, der auch bei den UW-Fotografen etwas mehr Beachtung
finden sollte. Schließlich gibt es unter Wasser das Problem der Mischlichtbelichtung. Also blaues oder grünes Wasser im Hintergrund, das man auch in großer Tiefe sichtbar machen
möchte. Das war bislang nur mit ruhiger Hand und viel Erfahrung zu bewältigen. Spätestens bei 1/30 s müssen Gelegenheitsfotografen die Segel streichen, Profis schaffen es noch
1/15 s ruhig zu halten. Dann aber ist im Prinzip ohne Kameraauflegen oder Stativ endgültig Schluss. Mit der Dynax 7D und einem großen Volumengehäuse stellt das Ruhighalten und
Scharfstellen mit 1/8 s aber kein sonderliches Problem dar. Selbst 1/4 s oder im Extremfall sogar 1/2 s sind unter günstigen Voraussetzungen möglich - ohne Wellengang und
Strömung. Wunder kann auch das Anti-Shake nicht vollbringen. Freimachen muss man sich auch von den Gedanken, dass schnell schwimmende Fische nun plötzlich alle scharf
abgebildet werden würden. Anti-Shake heißt verwackelungsfrei bzw. verwackelungssicher, aber nicht bewegungsscharf. Wer mit langer Verschluss- bzw. Synchronzeit fotografiert oder
blitzt, muss mit Bewegungsunschärfen bzw. Wischeffekten rechnen. Und genau das sollten Sie mal versuchen. Die Effekte können atemberaubend sein, wenn man Übung und Glück
verschmelzen kann. Minolta war 1985 der Initiator des gehäuseintegrierten Autofokus in Spiegelreflexkameras. Auch heute ist man diesbezüglich noch auf der Höhe der Zeit, ohne
dass eine verwirrende Vielfalt von AF-Modi den Anwender verwirren würden. Neben dem Single-AF (S) mit Schärfepriorität, einem kontinuierliche AF mit Auslösepriorität verfügt die
7D nur noch über einen automatisierten AF (A), der sich aber beim Test als sehr gefällig und praxisorientiert erweisen hat. UnterWasserWelt empfiehlt diesen AF-Modus bei nahezu
allen Motiven, weil hier die Scharfeinstellung je nach Bedarf automatisch zwischen statischem AF und Nachführ-AF wechselt. Unscharfe Motive gibt es dann praktisch nur noch, wenn
die Verschlusszeit für schwimmende Motive zu lang ist. Als eine der ersten Kamerafirmen hat Minolta seinerzeit auch den Prädiktions-AF inthronisiert. Diese Funktion berechnet
beim Auslösen, wo sich ein bewegtes Motiv nach dem Spiegelschlag befindet und zieht die Schärfe auf diesen Punkt vor. Das hat bei schnell anschwimmenden Haien und Serienschüssen
nahezu perfekt funktioniert. Sinnvollerweise sollten Sie die Dynax 7 D nur mit dem zentralen Kreuzsensor betreiben. Die neun lateralen Zeilensensoren könnten zumindest im
Nah- und Makrobereich für etwas Verwirrung sorgen, wenn sie sich aufgrund der AF-Algorithmen verselbständigen und auf Bildteile scharf stellen, die man gar nicht als wichtig
empfindet. Während digitale Kompaktkameras schon seit langem über die großen 2,5 Zoll Monitore verfügen und dafür sogar auf den optischen bzw. elektronischen Sucher
verzichten, ist diese Entwicklung bei digitalen Spiegelreflexkameras eher schleppend vorangegangen, weil eine Live-Bild-Show bzw. Scharfstellen über dem Monitor bis auf wenige
Ausnahmen (z. B. Olympus E-330) ja nicht möglich ist. Konica-Minolta präsentiert nicht nur eine 6,3 cm lange Diagonale, sondern auch höchst erfreulich große Ziffern und
Buchstaben. Zur Zeit vermutlich die größten in der Branche. Blende, Verschlusszeit und Belichtungsmodus weisen ebenso wie das Batteriesignal, Bildnummer, Weißabgleich, die
ISO-Einstellung samt +/-Anzeige und die Anzeige der Bildqualität erfreulich klare, und auch bei Sonnenlicht gut sichtbare Kürzel auf. Gegen diese Leuchtnummer verblassen die
Mitbewerber wie der Mond bei hochstehender Sonne. Die Basis für die Bildqualität ist der 6,1 Megapixel fassende CCD-Bildsensor mit den Maßen 23,5 mm x 15,7 mm und einer
futuristischen Bildverarbeitungstechnologie. Der Crop-Faktor — also die scheinbare Brennweitenverlängerung — beträgt 1,5. Mit dem 100 mm Makroobjektiv bekommt man
demzufolge einen Bildwinkel, als ob man ein 150 mm Makro verwenden würde. Durch eine spezielle Signalverarbeitung wird das Rauschen selbst bei ISO 400 soweit reduziert, dass
Nahaufnahmen bedenkenlos machbar sind. Man kann die 7D eigentlich immer mit ISO 200 betreiben, denn hier liefert der Bildsensor Werte, die sich mit denen bei ISO 100 messen lassen
können. Mit dem automatischen Weißabgleich sind wir sehr gut gefahren. Blauwasseraufnahmen wurden farblich mit Available-Light korrekt belichtet. Für welche
Bilddatei man sich entscheidet, ist eine Frage der Beurteilung. Praxisorientiert kann man mit der 7D die Bilder bei Bedarf gleichzeitig im JPEG und im RAW-Format speichern, was
erstens eine schnelle optische Verfügbarkeit am heimischen Monitor gewährleistet und zweitens die Möglichkeit offen lässt, später noch mit dem RAW-Konverter nachzubearbeiten.
Gespeichert werden die Bilder wahlweise auf Compact-Flash- oder SD-Karten. Die 7D nimmt auch Microdrives bis 6 bzw. 8 GB auf. Damit können Sie im feinsten JPEG-Format 1392 Bilder
machen. Und selbst im Doppeldateiformat „JPEG + RAW“ bleiben noch mindestens 672 Bilder übrig. Fotowüterich, was willst du mehr.
Blitzen mit der 7D
Für
die korrekte TTL-Blitzbelichtung ist das ADV-Blitzsteuerungssystem (ADI = Advanced Distance Integration) zuständig. Am besten arbeitet es mit einem speziellen Konica-Minolta
Systemblitz, der auf die ADI-Technik zugeschnitten ist und den man in einem Blitzrohr oder Systemblitzgehäuse unter Wasser verwenden kann. ADI arbeitet mit Vorblitzen, die so
lange über das Messfeld streuen, bis alle Segmente blitztechnisch erfasst worden sind. Der Kameracomputer ermittelt dann aus diesen Daten unter Priorität des aktivierten
AF-Sensors die richtige Blitzbelichtung. Das funktioniert auch mit dem aufklappbaren Kamerablitz, der für Spontansituationen an Land hervorragend geeignet ist. An der
semiprofessionellen 7D ist der aufklappbare Kamerablitz eine sinnvolle Ergänzung. Ein kleines Problem tritt auf, wenn mit einem Amphibienblitz belichtet werden soll. Das
geht zur Zeit nur manuell, weil es noch keine ADI-TTL-Konverter gibt - jedenfalls sind uns keine bekannt. Gebaut werden können sie auf Anfrage sicherlich von
www.heinrichsweihkamp.de und eingebaut entweder im Amphibienblitz direkt oder im jeweiligen UW-Gehäuse. Man sollte die Blitztechnik mit amphibischen Blitzgeräten aber nicht
dramatisieren. Manuelles Blitzen ist mit der Dynax 7D nicht schwerer als mit Canon oder Nikon Kameras. Die 7D wird auf M gestellt und dann werden Blende und Verschlusszeit nach
eigenem Gusto nachgeführt. Die Kontrolle auf dem großen Monitor gewährleistet zumindest eine grobe Abschätzung der korrekten Belichtung und auch der Hintergrundfarbe des Wassers.
Wer die Dynax 7D auf A (Zeitautomatik) stellt, bekommt automatisch Mischlicht, muss aber bei kleinen Blenden höllisch aufpassen, dass bei allzu langen Zeiten trotz Anti-Shake die
Bilder nicht verwackeln bzw. verwischen. Im Nah- und Makrobereich ist der Modus A eher ungeeignet. Der Wischeffekt kann aber eigenartige und faszinierende Bilder zaubern. Wir
haben das mit einem Weitwinkel mit Blitz und kleinen Blenden bei Taucherportraits ausprobiert. Die Wirkung war verblüffend und visuell bemerkenswert.
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