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So richtig hat Olympus auch einige Monate nach der Photokina noch nicht darauf aufmerksam gemacht, dass mit der im Herbst 2006
vorgestellten digitalen Kompaktkamera µ 725 SW bis 5 Meter Wassertiefe ohne zusätzliches Schutzgehäuse nach Herzenslust fotografiert werden kann. Outdoor sind
sicher Schnorchler die besten Kunden für den Silberfisch, im Pool können auch mit Gerät tauchende Fotojünger erste fotografische Flossenschläge machen. UnterWasserWelt
nahm die µ 725 SW mit ins Diver`s Indoor – Tauchzentrum.
Fast hätten wir die 7,1 Millionen Pixel µ 725 SW trocken wieder zurückgegeben, denn es
fehlte der Sendung mit der Testkamera alter Gewohnheit folgend das dazu erwartete Unterwassergehäuse. Bei der aktuell fast unüberschaubaren Vielfalt im Halbjahrestakt
neu vorgestellter digitaler Kompaktkameras ist es kein Wunder, wenn die speziellen Vorzüge einzelner Produkte nicht mehr so deutlich ins Auge fallen, außer der
Hersteller rührt dafür die entsprechende Werbetrommel. Olympus hielt sich in der Öffentlichkeit aber erstaunlich zurück, ging es um die µ 725 SW. Wasserdicht bis 5
Meter (entsprechend der IEC Standard Publication 529 IPX8), stoßfest bis 1,5 Meter Fallhöhe (nach Olympus-Norm), dazu ein Empfindlichkeitsspektrum von 80 ISO/ASA bis
1600 ISO/ASA, ein Monitor mit 2,5“ Zoll Diagonale, 7,1 Millionen Pixel Auflösung und über 20 auf unterschiedlichste Motivgruppen angepasste Aufnahmeprogramme.
Auch 4 Unterwassermodi sind vorbereitet, doch weder die gedruckte Standardanleitung noch die auf CD gebrannte ausführliche Anleitung gehen auf die Unterwassermodi
oder auf den Unterwassereinsatz der µ 725 SW näher ein, obwohl mit einer Neoprentasche, einem Armband und einer entsprechenden Handschlaufe im Lieferumfang der
Unterwassereinsatz geradezu vorprogrammiert ist. Und das stellt uns denn doch vor Rätsel, denn gerade Schnorchler und tauchende Fotoeinsteiger benötigen eine klare
und strukturierte Information über das Handling der Kamera in einem völlig anderen Medium, was geht, wie es geht und auf was man achten muss, gerade auch in der
Nachversorgung des Silberfisch. Der immer wieder zitierte Standard IEC 529 IPX8, der die Umstände definiert, nach der die µ 725 SW als wasserdicht eingestuft wird,
sieht eine zeitliche Begrenzung für die Garantie der Wasserdichte von einer Stunde unter dem angegebenen Maximaldruck. Im Gegensatz zu den wasserdichten
Analogkameras Nikonos oder Nikonos RS vergangener Zeiten, die wie Unterwassergehäuse auch uneingeschränkt lang unter Wasser eingesetzt werden können, muss man die
µ 725 SW bei ausgeprägteren fotografischen Tauchambitionen in das optional erhältliche Gehäuse PT-033 verpacken, das dann bis 40 Meter Tiefe verwendet werden kann.
Die Miniaturisierung digitaler Kompaktkameras findet mittlerweile nur noch ihre Grenzen beim Anspruch auf ein komfortabel großes Monitorbild. Der mittlerweile übliche
2,5“ Zoll – Bildschirm nimmt nahezu ¾ der Kamerarückseite ein, die Tasten für Zoom und Menüsteuerung teilen sich die restliche Fläche. Viele Mobiltelefone
sind etwas größer als die µ 725 SW, der Akku, mit einer Kapazität für bis zu 180 Aufnahmen, entspricht den winzigen Kraftpaketen, wie sie in Handys üblich sind. Das
Objektiv ist hinter einem Planglas eingesetzt, das bei abgeschalteter Kamera zusätzlich durch eine Lamelle abgedeckt wird. Verglichen mit analogen Kleinbildkameras
entspricht die Brennweite des optischen Dreifachzoom 38mm – 114mm. Unter Wasser verlängert sich die Brennweite aufgrund der zusätzlichen Brechkraft des
Wassers um 1/3, so dass die kürzeste Brennweite dann bei rechnerisch 50mm liegt. Damit kann man hübsche Schnappschüsse, vornehmlich im Nahbereich machen, einen
Schnorchler oder Taucher in voller Größe abzubilden gelingt aber nur im klaren Wasser einer Lagune oder eben im Pool. Eigentlich findet man äußerlich keine
markanten Hinweise darauf, dass die µ 725 SW über und unter Wasser eingesetzt werden kann. Erst hinter den Verschlüssen des Batterie- und xD-Kartenfachs sowie des USB
– Anschluss erkennt man die die Dichtungseinsätze, die nicht als O-Ringe ausgelegt sind sondern als fest eingesetzte Gummirahmen. Besondere Pflegehinweise für
diese Dichtungen finden wir nicht, empfehlen aber immer darauf zu achten, dass keine Fremdkörper eingeklemmt werden, ein Sandkorn, ein Haar könnte dazu beitragen, dass
Wasser in die Kamera eindringt, darauf nachfolgende Kurzschlüsse bedeuten dann das Aus. Lediglich auf den Objektivverschluss geht die Anleitung ein und empfiehlt zur
Vermeidung von Beschädigungen durch Fremdkörper (Sediment) die Kamera nach dem Einsatz in klarem Wasser abzuwaschen. Weitere Vorbereitungen für den
Unterwassereinsatz wurden in der Gestaltung der Aufnahmemodi getroffen. Insgesamt 4 der 25 Spezialprogramme zur Aufnahmesteuerung sind dem Kameragebrauch unter Wasser
gewidmet: Unterwasser – Weitwinkel 1 (automatische Blitzzuschaltung), Weitwinkel 2 (automatische Blitz-, Zoom und Autofocusabschaltung, ), Nahaufnahme (Zoom
ausgefahren, Blitz und Nahaufnahmemodus aktiv) und Snapshot (Blitz abgeschaltet, Weißabgleich etwas wärmer). Wie schon angesprochen zeigt sich die Anleitung von ihrer
spartanischen Seite, nähere Erläuterungen findet man erst auf dem Monitor der µ 725 SW, wenn einer der Aufnahmemodi gewählt wird und bei Überprüfung der erfolgten
Einstellungen anhand der Symbole auf dem Monitor und manueller Tests. Zuvor bereits erklärt, ist unter Wasser eine kürzeste Brennweite von 50 mm (verglichen mit einer
analogen Kleinbildkamera) in ihrer Bildwirkung alles andere als ein Weitwinkel, doch die Ingenieure in Japan gehen in der Benennung der Funktionen lediglich von den
Bedingungen über Wasser aus. Schade, dass solche Ungenauigkeiten gerade Einsteiger in die UW-Fotografie einfach falsche Grundlagen vermitteln.
Insgesamt bekommt
die Anleitung einen Punktabzug, denn in der gedruckten Kurzfassung gibt es Passagen, die sich lesen, als seien sie eine Übersetzung der Suchmaschine Google.
Praxis
Ein Band zur Befestigung der Kamera in ihrer Neoprentasche mit angesetztem Karabiner am Oberarm und eine spezielle Handschlaufe für den
Outdooreinsatz bereiten die µ 725 SW bestens vor. Schnorchler müssen die Kamera nicht während des gesamten Ausflugs in der Hand halten, man holt den Silberfisch erst
für eine Aufnahme aus dem sicheren Gewahrsam der gepolsterten Hülle. Das ist durchdacht und gefällt. Taucher können sich das kleine Kästchen auch mit dem Karabiner am
Equipment einhängen, doch immer daran denken, dass es nicht tiefer als 5 Meter gehen darf. Die µ 725 SW am und unter Wasser einzusetzen zaubert - durchaus zum
Vergnügen des Fotografen – ungläubige Minen auf die Gesichter umstehender Schnorchler und Taucher, die von den versteckten Stärken der Kamera nichts wissen und
schier darauf warten, dass der flott geschnittene Silberling den Geist aufgibt. Und selbst ertappt man sich immer wieder dabei den Versprechungen zu misstrauen, dass
die Kamera tatsächlich wasserdicht ist. Es fasziniert ohne ein zusätzliches Gehäuse auch abgetaucht Fotos schießen zu können, als sei man auf dem Trockenen. Mit
Blick auf den Monitor kontrolliert man das Bild, alle Tasten können normal bedient werden, vorzugsweise mit bloßen Fingern und ohne Handschuhe, und der Blitz
beleuchtet die Szenerie. Natürlich darf das Wasser nur wenige Schwebteile aufweisen, da der nahe am Objektiv sitzende Blitz sonst alle Sedimentpartikel direkt
anstrahlt und „verschneite“ Bilder als Konsequenz dessen aufgezeichnet werden. Die Reichweite des Blitzes ist unter Wasser ebenfalls kürzer, wie weit die
Lichtleistung reduziert wird, hängt von der Menge der Schwebeteile ab. Da die Unterwassermodi der µ 725 SW, vergleichbar mit anderen Olympus –
Kompaktkameras, lediglich im Schnappschussmodus einen geringen Einfluss auf die Farbgebung (leicht wärmere Farben) haben, ansonsten nur auf Kombinationen für Aufnahmen
mit oder ohne Blitz, mit abgeschaltetem Autofocus oder im extremen Nahbereich vorsehen, kann man den Begriff Unterwassermodus relativieren. Alle Einstellungen könnte
man auch manuell herbeiführen, nur nicht so bequem, wie bei der Moduswahl. Eine kleine Falle früherer Programmierungen hat man erfreulicherweise beseitigt. Im
Unterwassermodus bleibt nun die persönliche Einstellung der Bildqualität (Auflösung) erhalten und wird nicht mehr automatisch auf eine mittlere Qualität gesetzt.
Auch sollte man nicht immer die Wahl der Empfindlichkeit der Automatik überlassen, denn manuelle Eingriffe können die Bildqualität deutlich verbessern. Gerade unter
Wasser neigen Belichtungsautomatiken zu reichlich zu belichten. Ist man schon bei offener Blende angelangt und verspräche die notwendige Belichtungszeit ein aufgrund
von Verwackelung unscharfes Bild, setzen die Kameras im Hintergrund automatisch die Empfindlichkeit höher. Je höher die Empfindlichkeit, umso größer ist das
Bildrauschen. Ins Blau eines Pool gemessen, kannen bis zu einer Blende oder Belichtungsstufe von der optimalen Belichtung abweichen, weil die Automatik bei ihrem
Messvorgang, der auf Motive über Wasser optimiert ist, von falschen Voraussetzungen ausging. Die meisten Standardmotive kann man mit der festen Einstellung auf 200 ISO
/ ASA gut belichten. Der neuartige elektronische Verwackelungsschutz in der µ 725 SW, wie er schon seit Jahren in Camcordern Anwendung findet, erlaubt auch etwas
längere Belichtungszeiten bei Aufnahmen aus der Hand zu verwenden, ohne Gefahr zu laufen eine Verwackelungsunschärfe zu erhalten. Das funktioniert natürlich nur, wenn
man nicht im Wasser dümpelt, denn diese Bewegung kann der elektronische Verwackelungsschutz natürlich nicht herausrechnen. Die Testbilder im Indoor
Tauchzentrum überzeugen im Nahbereich, die Schärfe und Blitzbelichtung ist einwandfrei. Der Autofocus arbeitet auch im Dämmerlicht zielstrebig. Wie zu erwarten ist die
Hürde auch einmal Taucher ins Bild zu nehmen aufgrund der Schwebeteile im Wasser nicht überwindbar, dazu sitzt der Blitz zu nah am Objektiv. Erstaunliche Leistung
zeigt der Silberfisch bei Einstellung auf 1600 ISO/ASA, mit der dann auch Bilder im Indoorpool gelingen. Die Nachschau auf einem 21“ Zoll - Monitor zeigt
moderates Bildrauschen, so dass in Extremfällen auf diese hohe Empfindlichkeit durchaus zurückgegriffen werden kann. Summa summarum ist der fließende Einstieg in
die Unterwasserfotografie mit der µ 725 SW ein guter Anfang, der mit dem Gehäuse PT-033 in größere Tiefen führen kann. Ohne Gehäuse verlangt die Kamera von
Schnorchlern und Tauchern äußerste Disziplin ab die Maximaltiefe nicht zu überschreiten. Im Pool droht hier kaum Gefahr, außer man taucht in Indoor –
Tauchzentren wie dem Nemo bei Brüssel. Während Gerätetaucher mit Blick auf den Computer klar die Grenze ziehen können, bis zu der die unverpackte µ 725 SW den
Unterwasserspaß mitmacht, tun sich Schnorchler im Freiwasser doch deutlich schwerer. Eine Wassertiefe von 5 Metern ist für geübte schnell erreicht, nur fehlt das
Messinstrument. Daher meinen wir, sollten Schnorchler im Freiwasser nicht versuchen die Grenzen auszuloten und die Motive nahe der Wasseroberfläche suchen.
Fazit
Auch für die weniger anspruchsvollen Taucher, die eine Unterwasserkamera bis 40 Meter mitführen wollen, ist neben der Zielgruppe der Schnorchler die µ
725 SW ein interessantes Modell. Verpackt im Gehäuse begleitet sie die Tauchgänge und bietet zusätzlich den Schutz, dass doch vielleicht einmal ins Gehäuse
eindringendes Wasser der Kamera nichts anhaben kann. Ausstattung und Handling sind einwandfrei. Der Akku bietet genügend Reserven, neben dem internen Speicher von
19 MB können xD–Karten bis 1 GB eingesetzt werden. Die Anleitung hat Mut zur Lücke und ein paar Übersetzungsschwächen. Schick, flexibel, immer dabei, das ist
die µ 725 SW von Olympus.
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