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Im Mittelpunkt der Tauchausrüstung steht zweifelsfrei die Atemtechnik, die erst den Aufenthalt in der Tiefe möglich macht. Um die
Qualität der Atemgase macht man sich bei den Kompressorherstellern Gedanken, das Innere der Tauchflaschen wird im Zweijahresrhythmus vom TÜV geprüft und die
Lungenautomaten müssen bezüglich der Atemarbeit zum Zeitpunkt der Auslieferung strengen Vorgaben entsprechen. So ist es jedoch erstaunlich, dass für Atemregler keine
verbindlichen Serviceintervalle vorgeschrieben sind und nur ein Teil der Regler je einem Fachbetrieb zur Revision übergeben wird. UnterWasserWelt hat die Regler des
Teams überprüfen lassen und machte sich selbst ein Bild von den notwendigen Arbeiten.
Reichlich gefordert ist die Atemtechnik unserer Mitarbeiter, die das
ganze Jahr über im Süßwasser und im Meer zuverlässige Dienste leistet. Und äußerlich sieht man den Reglern von Mares, Poseidon oder Tusa nicht an, dass sie ihr Leben
nicht im Schrank fristen sondern laufend im Einsatz sind. Nun, man darf auch erwarten, dass man als Profi um das richtige Handling weiß und durch Umsicht beim Gebrauch
und der von außen möglichen Pflege mit dazu beiträgt, dass die Technik weit möglichst geschont wird. Trotzdem müssen Regler in den Service gegeben werden, auch wenn
sich keine Fehlfunktionen zeigen. Denn die Vielzahl klassischer Probleme, die beim Tauchgang durchaus gefährlich werden können, zeigen sich nicht von außen und treten
unerwartet auf.
Symptome
An vorderster Front des Servicebedarfs steht zweifelsfrei der Sinterfilter, ein Sieb mit winzigen Maschen, das
verhindert, dass kleinste Schmutzpartikel, wie Rost oder andere Ablagerungen aus der Flasche, ihren Weg durch die erste Stufe nehmen, dort möglicherweise das Ventil
beschädigen oder sogar über die zweite Stufe bis in die Lunge des Tauchers gelangen. Ein zugesetzter Sinterfilter kann im Extremfall sogar die
Luftlieferleistung herabsetzen und dem folgend die Atemarbeit erschweren - bei Strömung, Unterwasserarbeiten oder in kalten Gewässern ein kritischer Punkt also.
Auch wenn man im Süßwasser mit eigenen Flaschen taucht und am Steigrohr des Ventils ein zusätzlicher Sinterfilter sitzt, darf man bei Tauchgängen mit geliehenen
Flaschen - z.B. an internationalen Tauchbasen – nicht erwarten, dass dort überall eine vergleichbare Ausstattungsqualität angetroffen wird und so erreichen
dort so manche Partikel den Filter.
Aber viele Taucher merken diese Veränderungen gar nicht und reagieren erst mit einem Serviceauftrag, wenn der Regler
abbläst oder beim Atmen ein quietschendes Geräusch der 1. Stufe entfährt.. Das sind einige der wenigen sichtbaren Anzeichen dafür, dass das gute Stück zum Fachmann
muss. Wir haben selbst an einer Reihe von Seminaren zur Wartung unterschiedlichster Regler teilgenommen, doch nehmen wir bewusst Abstand den Service selbst
durchzuführen, denn mit der primären Fehlerbehebung ist es nicht getan. Sicherlich kommen einem die Hersteller mit kompletten Servicekits entgegen, die die klassischen
Teile wie Dichtungen, Ventile, Pastillen, Sinterfilter und Federn enthalten, die spätestens nach 2 Jahren ausgetauscht werden sollten, es gehört aber eine umfangreiche
Fachkenntnis und oft auch ein teures Spezialwerkzeug dazu um fachgerecht die Revision durchzuführen. Uwe Grintsch kennt seine „Patienten“ bestens. Der
Tauchlehrer und Trimixausbilder hat das Handwerk von Grund auf gelernt. Seit 1992 in der Branche, war er drei Jahre im Einzelhandel tätig und anschließend über 7Jahre
zuständig für den technischen Service bei Mares Deutschland und Österreich. Im Jahr 2002 machte er sich mit einem Atemreglerservice in der Nähe von Erding bei München
selbständig. Für die Regler nahezu aller Hersteller ist er autorisiert Revisionen durchzuführen, was in seinem Angebot jetzt noch fehlt wird in nächster Zeit noch
komplettiert werden.
Do it yourself?
Es sei an sich auch für den Laien, der sich mit der Thematik befasst möglich den Reglerservice selbst
durchzuführen, bemerkt Uwe Grintsch offen. Jedoch seien die Investitionen in zusätzliche Werkzeuge, ein Ultraschallbad, Mitteldruckmanometer, und ein Messgerät für
Atemarbeit zu berücksichtigen. Außerdem muss das Wissen über die korrekten Einstellungen der verschiednen Regler vorhanden sein und auch welche Updates die Regler
mit der Zeit erfahren haben, um die Technik auf dem neuesten Stand zu halten. Je nach Hersteller sei das fast schon eine Wissenschaft. Außerdem verzichten viele
„Schrauber“ auf den Austausch von Teilen, die nach Sichtkontrolle als noch funktionsfähig eingestuft werden, Aufgrund von Alter und Gebrauch aber
austauschpflichtig sind. Wenn ein Lungenautomat über Jahre produziert wird, ergeben sich immer wieder für den User sichtbare und unsichtbare Weiterentwicklungen,
die nach aktualisierten Serviceplänen und abhängig von den Seriennummern übernommen werden sollten oder müssen um ein Höchstmaß an Gebrauchssicherheit zu garantieren.
Laien fehlt hier in der Regel das Hintergrundwissen. Wer meint, dass er die Investitionen in Spezialwerkzeuge durch Revisionen für befreundete Taucher amortisieren
könnte, muss wissen, dass man für diese Arbeit dann auch die Verantwortung trägt, was im Falle eines Störfalls mit diesem Regler unerwartet große Haftungsprobleme nach
sich zieht.
Serviceplan
Vor beginn der Arbeiten wird von Uwe Grintsch der Regler mit allen angelieferten Komponenten, vom Oktopus bis zu
Inflatoschläuchen und Finimeter, einer genauer Sichtkontrolle unterzogen. Das äußere Bild des Lungenautomaten gibt schon manchen Hinweis auf die Art des Gebrauchs und
die Einsatzstunden. Das Schema der Schlauchanschlüsse am Kundenregler wird notiert um die Abgänge nach der Revision in der vom Kunden vorgegebenen Konfiguration zu
belegen. Nach der Feststellung der Seriennummer kann man in den Serviceunterlagen das richtige Revisionskit ermitteln. Manchmal gibt es in der Bestückung der
Ersatzteilsets Unterschiede bei DIN – oder INT – Anschlüssen, gerade der Sinterfilter kann da eine unterschiedliche Bauform haben – bei sonst völlig
identischen 1. Stufen. Eine Funktionsprüfung des Reglers unter Druck gibt besonders bei Serviceaufträgen, die keinen Fehler ausweisen, einen Überblick über den
Gesamtzustand. Bläst der Regler ab, kann man mit ein wenig Know How auch als Laie lokalisieren, ob das Problem in der 1. oder 2. Stufe steckt. Bläst der Regler erst
nach einer Zeitverzögerung von einigen Sekunden bis etwa einer Minute ab, dann sitzt das Problem überwiegend in der 1. Stufe, ein undichter Ventilsitz (Abnutzung oder
durch Metallspäne beschädigt), das Ventil oder ein spezifischer O-Ring wären dafür die Ursache. Entweicht die Luft dagegen sofort, dann ist häufig der Kipphebel in
der 2. Stufe dafür verantwortlich. Im Fachbetrieb wird jedoch mit Hilfe eines Mitteldruckmanometers an der 1. Stufe die Funktion überprüft. Hält sich der Druck
stabil bei 9 –11,5 bar (je nach Fabrikat), dann ist hier alles in Ordnung. Der Laie würde unter diesen Umständen wohl meist auf den Austausch von
Verbrauchsteilen am Ventil verzichten, obwohl aufgrund der Einsatzzeiten dies notwendig wäre. Atemregler haben eben keine Warnlampen wie Autos, die erst nach dem
Ölwechsel oder dem Austausch der Bremsscheiben verlöschen. Im nächsten Arbeitsschritt werden beide Stufen in ihre Einzelteile zerlegt, austauschpflichtige
Komponenten sortiert Uwe Grintsch aus, um diese bei Auslieferung dem Kunden vorlegen zu können. Der Blick in den Arbeitsraum der 1. Stufe ist manchmal erschreckend,
wenn nach Wassereinbruch darauf folgende Korrosion Federn und andere Bauteile angegriffen hat. Ein ausgiebiges Ultraschallbad befreit in vielen Fällen Ablagerungen
und Schmutz, besonders hartnäckige Krusten müssen sich eine „Einzelsitzung“ gefallen lassen. Zweifelhafte innere Werte zeigen nicht selten die 2. Stufen. Vor
allem Schmutzablagerungen, Sand bis Salzverkrustungen im kaum bis nie eingesetzten Oktopus lassen die Haare zu Berge stehen. Man kann es an Stränden und
Taucheinstiegen schließlich selbst laufend beobachten, wie die 2. Stufen über den Boden schleifen und die Meinung vorherrscht, das würde sich stets von selbst beim
Tauchgang oder bei der anschließenden Spülung herauswaschen. Aber wer spült schon seinen Regler nach einem Tauchgang im Süßwasser? Immer wieder entdeckt Uwe
Grintsch an unauffälligen Mundstücken ein Loch, dort, wo der Befestigungsstutzen des Mundstücks am Reglergehäuse endet. Es entstand vermutlich durch starken
mechanischen Druck, etwa wenn ein Tauchgerät auf der zweiten Stufe liegt. Das kommt öfter vor, als man glaubt und zieht der Regler dann Wasser, wird die Situation
kritisch. Haben alle Komponenten das Ultraschallbad hinter sich, werden sie mit Wasser gespült, abgeblasen oder mit einem Tuch getrocknet und wandern dann für eine
Nacht in den Trockenraum. Bei Uwe Grintsch verlassen keine Regler mit versteckter Restfeuchte den Servicebetrieb. Natürlich werden die angelieferten Hoch- und
Mitteldruckschläuche genauestens untersucht und ebenso gereinigt. Zeigen sich Verletzungen mechanischer Natur oder poröse Oberflächen (Sonnentrocknung), ist der
Austausch fällig.
Nach dem Zusammenbau des Reglers bekommt man funktionell einen neuen Regler zurück. Wurden beim Service Updates
durchgeführt, dann ist das Gerät auch noch auf dem neusten Stand der Technik des jeweiligen Herstellers. Der Einstellung des Mitteldrucks, bei den meisten Reglern
liegt dieser bei 9 – 11,5 bar, folgt bei Uwe Grintsch noch eine abschließende Kontrolle, ob der Druck gehalten wird. Für mindestens 30 Minuten hängt der
Lungenautomat, an dem primär 200 bar anliegen, an einem heliumdichten Ventil. Wenn der Druck steht, wird das Flaschenventil geschlossen und an einem Finimeter wird
überprüft, ob der Regler den Druck hält. Zeigen sich auffällige Druckverluste – ohne, dass man ein Abblasen hört, dann entweicht in geringster Menge an
ungeklärter Stelle Luft. Dem wird mit einer Blasenprobe im Wasserbecken nachgegangen. Doch solche Fälle sind sehr selten. Den Kunden berührt das aber nicht, denn die
Servicepreise bei Uwe Grintsch sind Festpreise, gleich um welchen Hersteller es sich handelt.
Kosten
Je Stufe wird eine Revisionspauschale von
€ 13,00 berechnet, dazu addieren sich die Servicekits der Hersteller, eventuell zusätzliche Austauschteile wie Mundstücke oder Membranen und die Mehrwertsteuer.
Die fairsten Preise für die Revisionskits berechnet nach Feststellung von Uwe Grintsch der Hersteller Cressi, tief in die Tasche muss man beim Poseidon – Service
greifen. So kostet ein kompletter Service eines Cressi - Automaten inklusive Oktopus etwa € 60,00 plus Mehrwertsteuer, bei Poseidon dagegen etwa € 110,00.
Doch das wird von Dräger – Reglern noch getoppt, diese sind jedoch nicht weit verbreitet Im Mittel stehen etwa € 75,00 auf der Rechnung. Und
natürlich gibt es auf diese Arbeiten die übliche Garantie.
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