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Sie sehen aus, wie in ein nettes Pärchen und wenn man in ihre Gesichter sieht, meint man, das könnten doch auch Freunde von einem selbst sein. Das Foto, das den Briten Richard
Neely (38) und die Amerikanerin Alison Dalton (40) zeigt, ein strahlendes Liebespaar, wirkt so richtig sympathisch. Dass sie aber mit einer merkwürdig widersprüchlichen Story
dabei sind eine Menge Geld zu verdienen, macht nicht nur jene erstaunen, die in aufopferndem Einsatz an der Suche nach dem verschollenen Taucherpaar am Great Barrier Reef
beteiligt waren.
Die Nachricht ging um die Welt und erinnerte sofort an den Kinofilm mit wahrem Hintergrund über das Schicksal eines Taucherpaars am selben Ort des
Geschehens, das von einem Tauchausflugsboot im Wasser vergessen worden war und nie mehr gefunden wurde. Fast meinte die Weltöffentlichkeit, wäre es Alison und Richard auch so
ergangen. Große Tageszeitungen, die Onlineredaktionen der Nachrichtenmagazine und Tauchsportmedien hefteten sich an die Sensationsmeldung, dass nach 19 Stunden ein Taucherdrama
sein glückliches Ende gefunden hätte. So lange drifteten Alison und Richard im ozeanischen Niemandsland vor Australien im Meer, nachdem sie das Tauchboot am Horizont hatten
verschwinden sehen. Sie seien 200 Meter vom Boot entfernt aufgetaucht und konnten ihren Angaben nach kein wirksames Signal absetzen, dass man auf dem Boot hätte wahrnehmen können.
Irgendetwas schien an der Geschichte faul zu sein. Etwas stimmte nicht. Waren es die Parallelen zum Kinofilm, der gleiche Ort des Geschehens, einige Fakten, die die Geretteten
ins Gespräch brachten und ein wenig den Vorgeschmack auf eine extrem spannende Geschichte vermuten ließen, etwa die Begegnung mit einer hochgiftigen Seeschlange? Fast zu schnell
hatten die Agenturen ein Bild der beiden aus „glücklichen“ Tagen. UnterWasserWelt wartete ab und recherchierte weiter. Und richtig, der internationale
Medienschnellschuss, bei dem es nur darum geht, eine verkaufsträchtige News so schnell wie möglich zu veröffentlichen, ging wohl nach hinten los. Wie nun festzustehen scheint
und in ersten Äußerungen des Pärchen eingeräumt wurde, war alles nur ein Scheinmanöver, ein Fake, ein riesiger Schwindel, in den viele Freiwillige, die sich an der Suche nach den
Vermissten beteiligten, mit hinein gezogen wurden, die zum Teil ihr Leben riskierten, für eine bereits an Medien in England und USA verkaufte Story. Drei Flugzeuge, 7
Helikopter und 6 Boote waren im Einsatz, nachdem die Crew des Tauchveranstalters OzSail nach einer Stunde Alarm ausgelöst hatte. Über 310.000 US $ soll die üble Geschichte,
die von allen führenden Rettungsverbänden Australiens als Krönung der Dummheit betitelt wird, dem Paar bereits eingebracht haben. Haarklein drehten sie von Anfang an ihr Treiben
im Meer auf einer Videokamera mit, ein US – Sender will daraus eine einstündige Doku machen. Fast wäre ihr Plan nicht aufgegangen, denn ein erster Rettungshubschrauber hing
nicht lange nach dem Notruf des Skippers vom Tauchboot über der Stelle, wo man die Vermissten vermutete. Leider stand er genau über den Vermissten, weshalb man sie nicht entdeckte.
Und deren Geschichte, wie man sich die Angst vor Haien vertrieb, immer nur an ein gutes Ende glaubte, sich mit den Bleigurten zusammenhängte, um sich nicht zu verlieren, wenn
die Kräfte nachließen... Im Grunde war die Aktion gut vorbereitet, denn Alison Dalton ist Tauchlehrerin und bei weitem keine Anfängerin, Neely arbeitet als Tauchlehrer in
Thailand. Was die beiden alles im Jacket dabei hatten, um sich mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen – vielleicht wird man es nie erfahren, denn es würde nicht in die
heroische Geschichte passen, in der man sicher die Australier, zumindest aber die Bootscrew, ganz dumm dastehen lassen dürfte. Auch der Zeitpunkt war gut gewählt, die
Wellenhöhe war ausreichend, um die Taucher, die absichtlich 200 Meter vom Boot entfernt auftauchten, nahezu unsichtbar zu machen. Regen tat ein übriges. Was hat man denn
vielleicht dem verantwortlichen Crewmitglied bezahlt, das das Zeichen zum Ablegen gegeben haben könnte, wissend, dass zwei Tauchgäste fehlen? Haben etwa erst Tauchgäste das Fehlen
der beiden entdeckt und dann Alarm geschlagen? Jedenfalls drehte nach einem Check, ob denn tatsächlich alle an Bord seien, das Boot um und man begann mit der Suche. Gary
Raymond, Präsident der Gesellschaft freiwilliger Rettungskräfte in Australien zeigte sich sehr verärgert darüber, dass es Menschen gibt, die auf deren Schultern Geld machen aus
einem Akt allergrößter Dummheit. “Sie tun so, als seien sie Helden des Überlebenskampfes, haben aber keine einzige Regel beachtet, die man ihnen bei der Tauchausbildung
beigebracht hat,“ äußert sich Raymond. „Es sollte verpflichtend sein, dass Leute, die Extremsportarten ausüben eine Versicherung haben, die die Bergungskosten übernimmt und
falls nicht, dann sollen sie selber bezahlen.“ Es geht hier schließlich um 100.00 US $, die die Suche und Bergung gekostet hat. Auch das Unternehmen OzSail, mit dem
das Pärchen in Gary's Lagoon zum Tauchen gefahren war, listet eine Reihe von Ungereimtheiten auf. In einem Statement stellt man fest, dass in einem ausführlichen Briefing vor
dem Tauchgang besonders darauf hingewiesen wurde, Gary`s Lagoon nicht zu verlassen. Das Pärchen blieb aber nicht am festgelegten Tauchplatz und missachteten die vom
verantwortlichen Tauchlehrer deutlich gegebenen Anweisungen. Sie tauchten nicht unverzüglich nach dem Verlassen der Lagoone auf, wie für diesen Fall im Briefing mitgeteilt worden
war. Sie bliesen auch nicht die Signalbojen auf, die man bis zu 1,8 km weit sehen könnte, was bei der Tauchgangvorbereitung klar angeordnet worden war, sollte man außerhalb der
Lagoone auftauchen. Verwundert äußerte man sich auch über den Umstand, dass beide mit dicken Anzügen inklusive Kopfhauben tauchten, während alle anderen Gäste im warmen Wasser
dort nur Shorties oder dünne Tropenanzüge tragen. So viel Missachtung von Tauchgangregeln durch Tauchlehrer kann man nicht mit Dummheit erklären, da entsteht der Eindruck von
Vorsatz.
Kurz vor dem Abflug von Dalton und Neely direkt nach New York, zu einem Treffen mit ihrem Agenten, der über Verwertungsrechte und die zu zahlenden Summen
verhandelt, zeigten sie sich der Presse gegenüber völlig gelassen. Von Schuldgefühl keine Spur, ihrer Meinung nach trüge die Kosten für die Rettungsaktion ihre Versicherung. Ob
sie es wirklich tut im Falle einer absichtlich herbei geführten Situation, darf bezweifelt werden. In einem ersten Fernsehauftritt in Australien, der gegen Honorar gesendet
wurde, konfrontierte Moderatorin Tracy Grimshaw die beiden mit den Vorwürfen, die gegen sie erhoben wurde, dass man sie der Lüge bezichtigte und dass alles an ihnen abzuprallen
scheint. Neely tat bestürzt und äußerte sich schmerzlich berührt. Er wolle jedem sagen, dass das nicht wahr sei. Dalton sagte, dass ihr Ansehen in Frage gestellt worden sei, ihre
Ehre, das sei besonders wichtig für sie. Nach einer Zeitspanne des Nachdenkens oder Konsultation ihres Agenten dürfte es Dalton und Neely klar geworden sein, dass erste
unvorsichtige Äußerungen den Marktwert ihrer Story abstürzen lassen könnten und so gibt man sich nun betroffen und in der Ehre gekrängt.
Man kann wohl schon jetzt vermuten,
dass die Rettungsorganisation in die Röhre schauen wird, während einem von billigster Fernsehunterhaltung verwöhntem US – TV-Publikum eine übel dumme Soap auf den Schirm
geliefert werden wird.
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