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Wenn man den Zweikampf zwischen Canon und Nikon um den Spitzenplatz im Kamerabau in den letzten Jahren verfolgte, musste man den Eindruck
gewinnen, Nikon stehe auf verlorenem Posten gegen den agileren Konkurrenten. Mit der D2X, einer High-Tech D-SLR bester Güte, hat sich der einst unter Wasser führende
Kamerahersteller aber wieder nach vorne gearbeitet und Boden gut gemacht. Herbert Frei über eine Digitalkamera mit besonderen Fähigkeiten und ein UW-Gehäuse, das
perfekt als Arbeitsgerät darauf zugeschnitten wurde.
Fast vier Jahre hat es gedauert, bis Nikons erste Profi D-SLR, die legendäre D1X, von der D2X abgelöst
wurde - eine Ewigkeit in Zeiten vierteljährlicher Produktionszyklen bei den digitalen Kompaktkameras. Hiermit beweist Nikon, dass man auch im Zeitalter der Pixelhektik
noch langfristig planen und fertigen kann und sich nicht von modischen Trends beeinflussen lassen muss. Herausgekommen ist eine Profikamera mit teilweise verwirrenden
Möglichkeiten, aus denen man sich die wirklich relevanten für seine Zwecke aussuchen muss. Kleinigkeiten, die man an anderen digitalen Spiegelreflexkameras
eigentlich nicht vermisst, runden hier aber das Sternemenü gekonnt ab. So ist die Speicherkartenklappe aufwändig gegen versehentliches Öffnen gesichert, die
Feinkorrektur des gewählten Weißabgleichs kann in drei Schritten nachjustiert werden und wer mit der D2X und einem Stativ untertaucht, der kann bis zu zehn Aufnahmen
in Folge belichten und diese zu einem Kunstwerk zusammenfügen. Und obwohl der Sucher der D2X aufgrund des im Verhältnis zum Kleinbildformat kleineren APS-Bildsensor
sichtbar kleiner sein sollte, ist davon kaum etwas zu spüren. Nikon hat das optisch sehr gut ausgeglichen.
Sensortechnik
Noch setzt
Nikon auf APS-Bildsensoren, doch seit langem wird gemunkelt, dass ein Vollformatsensor wie er beim Mitbewerber Canon seit langem in den EOS-Kameras verwendet wird, bei
Sony in Auftrag gegeben wurde. Man wird sehen, was die nächste Photokina bringen wird. In der D2X jedenfalls werkelt ein 12,4 Megapixel CMOS Bildsensor mit den Maßen
23,7 mm x 15,7 mm auf höchstem Niveau. Denn obwohl die Pixelabstände nur 0,0055 mm betragen und somit die Lichtempfindlichkeit der Fotodioden begrenzt wird, überzeugt
die D2X mit einem sehr geringen Rauschen selbst bei ISO 400/27°. Das bedeutet, ISO 200/24° und 400/27° sind absolut fototauglich, selbst im Nahbereich. Die D2X ist
hier qualitativ jedem ISO 400/27° Film überlegen. So wie man weiterhin sagen kann, dass mit diesem Bildsensor das Niveau analoger Kleinbildaufzeichnung erreicht ist.
Bei hohen Auslösefrequenzen, wie sie unter Wasser aber kaum vorkommen dürften, liest die D2X nur die mittleren 6,8 Megapixel aus. Dann kann allerdings mit 8
Bildern pro Sekunde Dauerfeuer abgegeben werden. Im Highspeed - Bildformat vergrößert sich der Crop Faktor (Brennweitenverlängerung) auf 2,0.
Telewirkung
Der Bildwinkel- bzw. Crop Faktor beträgt 1,5. Kleinbildobjektive wirken an der D2X deshalb so, als hätten sie eine um den Faktor 1,5 verlängerte Brennweite. In
Wirklichkeit verkleinert sich aber nur der Bildwinkel. Ein 105 mm Makroobjektiv besitzt an der D2X den Bildwinkel eines 157,5 mm Teleobjektives und ein 14 mm
Superweitwinkel wirkt wie ein 21 mm Objektiv. Damit sind zumindest mit Kleinbildobjektiven keine hypergroßen Bildwinkel umsetzbar. Selbst das 16 mm Kleinbild - Fisheye
kommt statt 180° nur noch auf magere 114°. Doch sollte man das nicht so eng sehen. In den USA fotografieren die Cracks häufig mit dem 16 mm Fisheye und bekommen so den
Bildwinkel eines Kleinbild -14ers mit leichten Torsionserscheinungen, die aber bei Abbildungen von Tauchern, Korallen, Großfischen und Schwämmen nicht ins Gewicht
fallen. Wegen des Crop Faktors produziert Nikon deshalb auch spezielle Objektive, die auf den kleineren APS-Bildsensor abgestimmt sind. Knalleroptik ist sicherlich
das 10,5 mm Nikkor Fisheye, dessen enorme Schärfentiefe zu allerlei Experimenten reizt. Verstärkt setzen Nikon und die Fremdhersteller auf sog. Weitwinkelzooms für das
APS - Sensorformat. Brennweiten wie 12-24 mm (entspricht 18-36 mm Kleinbild) oder 10-22 mm (entspricht 15-33 mm Kleinbild) versprechen bei Naheinstellungen unter 30 cm
enorme Flexibilitäten hinter einem dafür abgestimmten Domeglas. Nikon-Makroobjektive (60 mm; 105 mm) können an der D2X ohne sichtbare optische Qualitätseinbußen
verwendet werden. Es verringert sich nur der Bildwinkel. Diese Lösung ist preiswert für Analogfotografen, die um- oder aufsteigen. Spezielle D-Makroobjektive von
Sigma, Tamron und Tokina optimieren hingegen die Bildergebnisse mit dem APS-Bildsensor. Wer sich für die D2X neue Makroobjektive zulegen will, sollte sich deshalb hier
orientieren und gleich das Optimale kaufen. Autofokus – Monster
Die Möglichkeiten, mit der
D2X automatisch scharf zu stellen, sind so groß, dass man als Anwender fast die Übersichtlichkeit verlieren kann. Lassen Sie sich nicht auf irgendwelche AF -
Sonderfunktionen ein. Konventionell können Sie den AF an der linken Gehäuse - Vorderseite auf S (S = Single-AF = Schärfepriorität) einstellen sowie das mittlere AF -
Messfeld anwählen und festloggen. In dieser Position können Sie Serien schießen, denn der Single - AF ist mit einer Prädiktion gekoppelt, die genau errechnet, wo das
Objekt nach dem Fokussieren steht. Das funktioniert sogar bei relativ schnell schwimmenden Fischen. Wer es noch mobiler mag, stellt den AF auf C (C = Continous-AF =
Auslösepriorität). Hier folgt der AF kontinuierlich den Fischbewegungen. Zusätzlich kann man den Autofokus-Modus so programmieren, dass sich die Sensoren auf den 11 AF
- Messfeldern der Objektbewegung anpassen. Im Unterwassereinsatz hat sich die dynamische Messfeldsteuerung gekoppelt mit Schärfenachführung und Einzelautofokus
bestens bewährt.
Belichtungsmessung
Neben Matrix, Integral- und der üblichen Spotmessung lässt sich Spot noch zusätzlich durch Verringern des
Messfeldes auf 2% selektieren. Das benötigt man unter Wasser eigentlich nicht. Sie sind gut bedient, wenn Sie mit der Matrixmessung fotografieren, mit oder ohne
Blitz. Der Schlitzverschluss der D2X beherrscht Zeiten zwischen 30 s und 1/8000 s. Die schnellste Synchronzeit beträgt 1/250 s. In Abhängigkeit des
Umgebungslichtes variiert sie zwischen 1/60 s und 1/250 s. Zusätzlich verfügt die D2X blitztechnisch über eine Slow- und eine Rear - Funktion. Bei ersterer kann auf
den 1. Verschlussvorhang bis 30 s synchronisiert werden (gut für Mischlicht), mit Rear blitzt man auf den 2. Verschlussvorhang und erzielt interessante Wischeffekte.
Vorteilhaft ist die Begrenzung der längsten Synchronzeit. Diese ist wichtig, wenn man in tieferen Wasserschichten fotografiert und sich dadurch die Verschlusszeit
durch Slow so verlängern würde, so dass es zu Verwacklern kommen könnte. Längere Synchronzeiten als 1/15 s sollten Sie nicht vorwählen, wenn freihand fotografiert wird.
Bemerkenswert kurz ist die Auslöseverzögerung. Wenn man den AF - Einstellvorgang unberücksichtigt lässt, was im Prinzip korrekt ist, tendiert die
Auslöseverzögerung gegen Null. Sie ist praktisch nicht messbar. Die D2X ist deshalb als Reportagekamera und Schnappschussgerät kaum zu übertreffen.
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