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Gekürztes Editorial...
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
vor ein paar Tagen las ich im Magazin tauchen einen einleitenden Artikel zur kontroversen Frage, ob Taucher zu Stubenhockern geworden seien.
Anlass der zur Diskussion gestellten Frage ist das Ausbleiben von interessiertem Publikum bei speziellen Events, in deren Verlauf sich vor allem Vertreter der Tauchsportindustrie mit unmittelbar vor Ort verfügbarem
Testequipment präsentieren. Die Idee hinter diesen Veranstaltungen ist grundsätzlich gut, denn man kann vor dem Kauf erst einmal die Jackets, Regler, Anzüge oder Flossen ausprobieren und für sich selbst
entscheiden, welches Produkt denn nun am besten zu den eigenen Gewohnheiten oder Vorlieben passt. Nur wenige gut sortierte Tauchsportfachgeschäfte können einen ähnlichen Service bieten und meist kauft man doch eher
das, was einem im Shop oder im Club empfohlen wurde. Nicht immer sind diese Empfehlungen der Weisheit letzter Schluss, merkt man erst nach ein paar Tauchgängen, was besser zu einem passen würde. Doch dann ist es zu
spät, für gebrauchte Ware gibt es kein Geld zurück oder ist ein Umtausch ausgeschlossen. Warum bleibt also die Zielgruppe zuhause, wenn ein gut organisierter Testevent quasi vor der Haustür stattfindet und eine
Reihe namhafter Aussteller eigentlich jedes Taucherherz höher schlagen lassen müsste? Auch Harald Apelt, mein Kollege bei tauchen, ist einigermaßen ratlos und hofft auf eine rege Stellungnahme aus Leserkreisen,
die vielleicht Licht ins Dunkel bringt. Schlechtes Wetter, ungünstige Terminwahl, mangelnde Bewerbung, die Fußball WM, das sind die häufigsten Deutungsversuche der Veranstalter, waren wieder weniger Besucher als
Standpersonal beim Event auf der grünen Wiese. Irgendwie, so scheint mir, unterliegt ein harter Kern von Tauchern einer ausgewachsenen Bewusstseinsspaltung, denn es wird regelmäßig die Messe boot
betreffend darüber gemeckert, dass entweder viele große Hersteller dort gar nicht in Erscheinung treten oder ihren Stand ausschließlich zu Gesprächen und Produktdemos für ihre Händler öffnen. Normalotaucher
haben oft keine Chance Messeneuheiten der großen Marken anzufassen oder mit einem Firmenvertreter in Kontakt zu kommen.
Jetzt tingeln die Firmen zu den Tauchern und das Interesse ist nachdenklich stimmend gering. Auch der große Taucherevent Ende September, der von tauchen organisiert und vielfältig beworben wurde, brachte im
Vorfeld trotz bestem Preis – Leistungsverhältnis für Unterkunft, Tauchen und Verpflegung nur 25% der erwarteten Anmeldungen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass
selbst bei bestens organisierten Safaris im Roten Meer, die von Vertretern namhafter Tauchsportlabels begleitet wurden, das Feedback auf verfügbares Testequipment oder Infoabende eher etwas zurückhaltend beschrieben
werden kann. Gibt es etwa zu viele Veranstaltungen, sind die Eventorte ungünstig gelegen, werden die Firmen abgestraft, weil sie sich auf der boot so zugeknöpft geben oder sind Deutschlands Taucher mittlerweile
so gesättigt, dass sie das Geschehen in der Szene eigentlich kaum noch interessiert, abgesehen von einigen Gurus, die sich in Foren klugscheißend absondern? Vielleicht hat ja der neue Typus des Tropentauchers
mittlerweile die Szenemacht übernommen, der sich bewusst Teile seines Equipments an der Basis leiht und nur noch ABC, einen Regler und einen Computer selbst besitzt. Vor allem bei den Tauchern, die ausgefallene
Fernziele ansteuern, die nicht von tauchgepäckfreundlichen Airlines bedient werden können, ist der Trend zur Minimierung des Reisegepäcks durchaus nachvollziehbar. Exklusive Fernziele setzen aber auch einen wohl
gefüllten Geldbeutel voraus um sich diese Reise überhaupt leisten zu können. Und immer mehr teure Reisen werden gebucht, das zeigt etwa der Gästeschwund von rund 40% beim verhältnismäßig kostengünstigen Klassiker
Ägypten. An der allgemeinen Kaufzurückhaltung der vergangenen Jahre liegt es keinesfalls, nie haben die Deutschen mehr Geld im Handel gelassen wie im laufenden Jahr. Das Konsumklima ist ausgezeichnet und die
kommende Mehrwertsteuererhöhung heizt den Kaufrausch weiter an. Natürlich gipfelt nicht jeder Event in einer Pleite. Was geht sind zumeist überregionale Veranstaltungen, die ihren Höhepunkt irgendwo unter
Palmen, Urlaubsstimmung pur verbreitend, finden.....
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Hallo Herr Goldschmidt, Taucher - alles nur Stubenhocker? Nun ja, ganz so kann ich das nicht sehen, obwohl ich die beschriebenen Phänomene auch beobachtet habe. Ich denke nur, dass die Ursache
hierfür zu ganz großen Teilen bei denen liegt, die sich nun beschweren. Wir leben (leider) in einer Gesellschaft in der keiner mehr fragt was er für den Anderen tun kann, sondern nur fleißig darauf achtet, was der
Andere für ihn tut. Sicher sind die Phrasen abgedroschen, aber die beiden großen Print-Tauchmagazine sind doch mit ganz wenigen Ausnahmen jährliche Re-Run Kanäle der Tauchindustrie. Das Sinai-Special, das
Thailand-Special, das Philippinen Special und zum Winter das Trocki-Special - das kommt doch einem Taucher, der länger als 12 Monate sich für den Sport interessiert zu den Ohren heraus. Kennt man sich dann mal in
einem der Tauchgebiete aus über die berichtet wird, weil man selbst länger dort schon hinfährt, dann stellen sich einem die Haare auf: Falsche Adressen, Basen, die schon seit Monaten nicht mehr existieren tauchen im
Verzeichnis auf, Top-Tauchspots Mangelware nur der Touristen Einheitsbrei. Da fragt man sich dann schon wofür man das Geld ausgeben soll. Und wenn sich dann genau diese Macher beschweren, dass zu den
"Events" niemand kommt, dann frage ich mich ernsthaft auch: Wieso sollte ich da hinkommen? Die Teilnehmenden Basen eines jüngst stattgefundenen Events haben selbst wenige Tage vor dem Event keine Werbung
dafür gemacht, die aufgebauten Stände verloren sich - Hinweisschilder gab es keine, die vom Chefredakteur persönlich angekündigte "große Premiere" und "einmalige Sondervorführung" eines Films am
Abend war die völlige Volksverdummung, die DVD des Films gab es schon bei Amazon zu kaufen. Das sich da das Tauchervolk fragt, warum es an solchen (Werbe-)Veranstaltungen noch teilnehmen soll, kann ich gut
verstehen. Die Community funktioniert, und das meiner Meinung nach besser denn je. Die breite Masse aber wendet sich von denjenigen ab, die ihnen jahrelang vorgegaukelt haben Lobbyismus für Taucher zu
betreiben. Wo waren denn die großen Magazine, als es z.B. um Tauchverbote am Bodensee ging? Vermutlich gerade ein "neues Special" aus dem Keller hervorkramen. Hier hätte man doch mal die Reihen der Taucher
hinter sich bringen können, die dann auch gerne und bereitwillig sich weiteren Aktionen angeschlossen hätten. Aber nicht nur die Presse trägt ihren Beitrag dazu bei, auch die Händler und Großhändler.
Die gesamte Branche jammert von oben bis unten wie schlecht es ihr geht. Verramscht dann aber selbst Ware zu Schleuderpreisen bei Internet Auktionshäusern. So mancher Hersteller würde auch gut daran tun mal zu
beobachten wer seine Produkte verkauft. Klar kann eine Student aus dem Hinterhof Atemregler Palettenweise verscheuern, ohne selbst große Kosten zu haben, er muss a) weder davon leben noch b) Mieten etc. bezahlen.
Den Herstellern scheint es recht zu sein, ist doch mal wieder eine große Menge ihrer Produkte am "schwierigen" Markt. Das aber gerade die kleinen Center darunter zu leiden haben, die vielfach mit viel
Engagement die Leute erst zum tauchen in den heimischen Gewässern bringt, wird gerne verdrängt. Und "Geiz ist geil!" funktioniert eben immer noch. Gerade wenn dann noch namhafte Großhändler im
deutschsprachigen Raum anfangen unter der nicht vorhandenen Ladentheke an Endkunden zu verkaufen - was sagen da eigentlich die Vertragshändler zu? Die Community bildet sich aber im kleinen heraus.
Mittlerweile gut organisierte Gruppen haben sich gebildet, fern ab von jedem Vereinszwang, man hat einfach Spass am Tauchen. Man muss sie nur ein wenig suchen, dann findet man auch in seiner Gegend diese Grüppchen.
Die werden war von Sonderangeboten nicht angesprochen und von den Zeitschriften (noch) nicht wahrgenommen, aber dafür werden sie immer mehr - und das ist gut so, denn diese Taucher sind keine Stubenhocker - sie
tauchen! Lieben Gruss Martin
Hallo Herr Goldschmidt, diesmal haben Sie ein echtes Fass aufgemacht! Ich befürchte, dass es keinen Kardinalsweg gibt, denn die tauchende Bevölkerung ist mittlerweile so groß geworden, dass sie
die ganze Bandbreite der Gesellschaft wiederspiegelt und sehr schwer in irgendein Schema passt. Und deswegen ist es auch immens schwierig geworden, sich auf tauchende Kunden einzustellen und sie zu erreichen. Ich
glaube es ist ein Zeitzeichen unserer Gesellschaft, dass ein Zuviel an Reizüberflutung dazu geführt hat, dass man sich schon eher wieder rückorientiert, d.h. man verfährt eher nach dem Motto: Weniger ist mehr!
Beispiel 1: Meinen Kindern habe ich das Fernsehen nicht generell verboten, aber ich habe viel Zeit darauf verwendet, ihnen ein Qualitätsbewusstsein zu vermitteln, d.h. nicht beliebig jeden Müll (ca.80% des
angebotenen Kabelfernsehens) anzuglotzen, sondern sich zu überlegen, ob es nicht schöner sein könnte, sich mit einer Freundin zu treffen...D.h. schon in jungen Jahren muss man lernen mit dem Überangebot um zugehen!
Beispiel 2: Die Nachbarn meiner Eltern haben es sich zur Gewohnheit gemacht, dass bei Gelegenheit jemand ein Sixpack Bier aus dem Keller holt, und dass man auf der Gartenmauer zusammensitzt und klönt.
Bisweilen endet dies dann schon mal damit, dass immer mehr dazustoßen, und dann die Straße wegen zu vieler Campingstühle kurzerhand gesperrt wird...dies erinnert mich dann immer an die Erzählungen meines Vaters aus
seiner Jugendzeit, wenn abends ein "Krügle Most" hochgeholt wurde und die Nachbarn auf der Hausstiege saßen und ein Lied anstimmten. Dies heißt natürlich nicht, dass die Nachbarn etwa keinen
Internetanschluss, Fernsehen oder andere Hobbys hätten. Nur haben sie vielleicht gemerkt, dass auch einfache Dinge gut sein können... Dr. Thomas Eisele
Stubenhocker oder eher eine falsche Markteinschätzung?
„Tauchevents“ haben zwei grundsätzliche Probleme: Erstens, die angesprochene Klientel. Tauchen zeichnet sich gerade dadurch aus, dass die
eigentliche Aktivität Tauchen – Buddyprinzip hin oder her – nicht gerade als Teamsport bezeichnet werden kann oder durch Geselligkeit besticht. Im Gegenteil - unter Wasser wird man nicht vollgequatscht
und hat – zumindest was Diskussionen angeht – seine Ruhe. (Viel)Taucher, und die, die auch vor den heimischen, trüben Tümpeln nicht zurückschrecken, sind eher Individualisten, in ihrem Element eher
Einzelspieler als Teamplayer. Die Tropenurlaubs - Seltentaucher mögen dabei eine Ausnahme sein, aber um die zu erreichen, müsste die ganze Aktion schon als reine Fernzielurlaubsaktion aufgemacht sein, wobei es
dennoch zweifelhaft bleibt, denn wer jährlich nur 5 Tauchgänge macht, wird sich nicht ernsthaft mit der Ausrüstungsfrage beschäftigen. Zweites Problem, die Gestaltung. Ein reines Tauch(er)event muss vom Angebot
her begrenzt sein. Die Produktvielfalt ist daher überschaubar und das mit dem Ausprobieren ist so eine Sache. Wer fährt mehrere Hundert Kilometer, um dann möglicherweise kaum eine Chance zu haben, tatsächlich die
Produkte der Wahl testen zu können? Angesichts der nicht gerade niedrigen Spritpreise und vor allem der immer knapper werdenden Zeit ist das eine echte Frage. Und falls man tatsächlich die Chance hat, etwas zu
testen, fängt man hinterher wieder an sich herzurichten, um dann anschließend noch Party zu feiern? Bei einer Messe habe ich halbwegs die Gewissheit, mir die Dinge zumindest ansehen zu können und habe eine
gewisse Chance, mich mit den Leuten zu unterhalten, die ich gerade sprechen möchte - übrigens im Wissen, dass die Messe überlaufen sein wird. Aber dort will auch niemand einen Praxistest machen. Vielleicht wirkt
sich aber auch gerade das auf die Events aus – man erwartet den gleichen Ansturm wie bei Messen und rechnet sich deswegen bereits keine Chancen aus. Ein Teufelskreis also. Was tun? Entweder
„Tauch(er)events“ in andere Veranstaltungen einbetten, so dass man nicht nur wegen eines Reglers oder eines Jackets durch die Republik fährt. Nur dafür ist der Aufwand zu hoch. Oder die ganze Geschichte klein
halten und regionalisieren, vielleicht in der Form einer Hausmesse. Dann kann man vielleicht die Tauchschulen und / oder Klubs ansprechen und einbinden. So man das denn will.
Dirk H.
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