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Während das Tauchen in den Flüssen selbst fast immer in einem Action-Abenteuer endet, verspricht ein Besuch in den Nebenarmen ein
visuelles Erlebnis besonderer Art. Von grimmiger Strömung und gefährlichen Passagen ist hier wenig zu spüren, dafür umso mehr von kaum glaubhaften Sichtweiten, üppigem
Pflanzenbewuchs und einer Artenvielfalt, die oft sprachlos macht.
Flussnebenarme sind regelmäßig die heimlichen Gewinner bei Umfragen unter
Süßwasserexperten zu den besten heimischen Tauchgewässern. Die Gründe liegen auf der Hand. Selten sind sie tiefer als 4 - 6 m und deshalb fast immer so dicht
bewachsen, dass man glaubt in einem Unterwasserdschungel zu tauchen. Die enormen Sichtweiten so mancher Nebenarme von Rhein oder Donau sind auf lokale Quellen
zurückzuführen, die ihren Ursprung wiederum im großen Fluss haben, der einen Teil seiner Wassermassen durch Kiesschichten drückt und diese nahezu keimfrei und absolut
trübstofffrei in die Bachbette leitet. Von dort fließt das Wasser langsam zurück in den Fluss. Ein enormer Vorteil, weil auch die durch das Tauchen aufgewirbelten
Sediment- und Schwebeteilchen langsam aber sicher abgeführt werden. Nach 2h Tauchabstinenz kann ein Nebenarm dann wieder so transparent sein, dass man selbst mit einem
leichten Weitwinkelobjektiv schon wieder Landschaftsaufnahmen machen könnte. Es gibt Nebenarme von großen Flüssen, die jahreszeitlich bedingt an manchen Tagen sage und
schreibe 50 m Sicht aufweisen. Wer das je erlebt hat, wird diesen Anblick nie vergessen. Fische sieht man klar und deutlich aus 20 m Entfernung und mehr. Das Licht
kann durch Bodenreflexionen so grell sein, dass man mit einem ISO 100/21°-Film und einer Verschlusszeit von 1/60 s noch auf Blende 11 kommt.
Man muss aber
nicht notwendigerweise fotografieren, um begeistert zu sein. Schon das Schnorcheln in diesen Kleinoden entschädigt für alle Mühe, die man auf sich hat nehmen müssen,
um an diese Perlen zu kommen. Vielleicht liegt hier die eigentliche Crux. Viele der wirklich tollen und einmaligen Flussnebenarme liegen nämlich an unzugänglichen
Stellen, manchmal in Naturschutzgebieten.Im Gegensatz zu Bergseen und Quelltöpfen, wo das fischige Leben eher verborgen und unterrepräsentiert ist, kann es in einem
Flussnebenarm regelrecht explodieren. Hier befindet sich die Kinderstube vieler Fische, herrschet Artenreichtum und verschwenderisches Leben. Amphibien, Wasserinsekten
und viele vom Wasser abhängige Tiere wie Schildkröten, Reiher, Störche, Ringelnattern und Eisvögel finden an diesen Orten letzte Refugien. Manche der Nebenarme sind
Kilometer lang, verzweigt und beherbergen Raritäten wie Störe, Graskarpfen, Alande, Schneider und Strömer. Fische, die man sonst nie oder nur selten zu Gesicht
bekommt. Und manchmal schwimmt einem unter Wasser ein Bisam entgegen oder man sieht einen Gelbrandkäfer, wie er einen Molch attackiert.Tauchen in Flussnebenarmen ist
ein Gleiten in austariertem Zustand. Anfänger sollten sich fragen, ob sie das wirklich beherrschen?
Für Tauchausflüge mit Kind und Kegel eignen sich diese
Lokalitäten schon vom Umfeld her gesehen nicht. Am wenigsten Ärger gibt es, wenn man sich allein oder mit zwei drei anderen still in die Fluten gleiten lässt und nach
einer Stunde ohne großes Gedöns den Nebenarm wieder verlässt. Viele Nebenarme können mit Booten (ohne Motor!!) befahren werden, so dass man mit etwas Einsatz an
entlegene Stellen kommt, die durch Tauchen kaum erreichbar sind. Ziehen Sie sich warm an, denn wenn Quellen vorhanden sind, kann das Wasser selbst im Sommer
empfindlich kalt sein. Gewöhnen Sie sich einen ruhigen Schwimmstil an, vermeiden Sie mit den Flossen Grundkontakt, weil sonst Sedimentwolken explosionsartig
hochgeschleudert werden. Schnorcheln ist manchmal vernünftiger.
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