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Wir befinden uns am südlichsten Zipfel Korsikas im malerischen Städtchen Bonifacio und dort in der Tauchbasis „Barakouda Diving
Center“, die seit sage und schreibe 1971 von Gerard Arend geleitet wird. Gerard ist ein Typ Mann, der sich gern brummelig gegenüber Fremden präsentiert, denn
doch rasch auftaut und hat man erst einmal „sein Herz erobert“ auch aus seinem bewegten Leben erzählt.
Der 1944 in Paris Geborene machte seinen ersten
Schritt ins Wasser im zarten Alter von 11 Jahren in Cannes. Dort lebten seine Großeltern. Später verschlug es ihn auf die Insel Korsika, genauer gesagt nach Calvi - in
die Armee. Die Basis „Barakouda Diving Center“ eröffnete er 1971 in Bonifacio, wo sie bis heute unverändert von ihm betrieben wird. Weitere vier Basen in
Bonifacio kamen... und gingen. Als gelernter Mechaniker kauft Gerard defekte Kompressoren auf, die alle in seiner großen Lagerhalle Platz finden und im Winter von ihm
zum Weiterverkauf repariert werden. Antike Stücke, wie auch moderne Baue r- Kompressoren finden wir derzeit bei ihm. Direkt daneben steht, einen Hauch von altem
Hollywood – Film verbreitend, Gerards leicht angestaubte Harley.
Prominente, wie die Französische Finanzministerin Christine Lagarde tauchten
bereits mit ihm. Meine Frage nach Tauchgängen mit Jacques-Yves Cousteau muss er zwar verneinen, aber er tauchte auch mit dem Team von Cousteau. Gerard war es auch, der
beim allerersten Tauchgang des Teams im Roten Meer dabei war. Ein Foto zeigt ihn in großer Runde – im Hintergrund stehen noch die Cruise Missilles. Kaum
vorstellbar in heutiger Zeit.
Meine Frage nach Cousteau kommt nicht von ungefähr, denn bei meinem ersten Besuch bei Gerard Arend sah ich ein Original
-Tauchgerät des Commandante bei ihm stehen, das ich heute leider schmerzlich vermissen musste. Dafür liegt aber gleich am Eingang des Büros ein beachtlich großer
Scooter von Jaques Cousteau. Das vermisste Tauchgerät gibt es noch, ist derzeit aber wohl irgendwie in Gerards leicht chaotischem Sammelsurium untergegangen. Beim
ersten Meeting 2006 war alles noch unsortiert, zumeist in der großen Lagerhalle zwischen anderen Dingen des täglichen Lebens, Maschinen und Werkzeug verwahrt. Nun hat
er bereits einen Teil seiner Sammlung ins Büro umgesiedelt, meist thematisch geordnet und nennt es sein „Museum“. Gut, Beschriftungen gibt es keine, aber
wenn Gerard nett gebeten wird, gibt es eine Privatführung vom Feinsten. Aber Vorsicht – es könnte, wenn er einmal in Fahrt ist, länger dauern. Es ist kaum
möglich, all die gesammelten Stücke detailliert zu beschreiben, es würde ein Buch füllen. Wir wollen uns also auf ein paar besonders interessante Objekte beschränken
– wer Appetit bekommen hat, kann gern die ganze Sammlung bei Gerard betrachten.
Korsika ist bekannt für das Tauchen nach Korallen, aber welcher
Sporttaucher hat schon einmal die Ausrüstung hierfür aus der Nähe gesehen? Ein Korb, um den Hals gehängt, nimmt die Korallenernte auf. Von ihrem Untergrund
abgeschlagen werden die kostbaren Korallenzweige mit einem Hammer, ähnlich einer miniaturisierten Spitzhacke. Derzeit gibt es auf Korsika insgesamt 15 zertifizierte
Korallentaucher, die täglich ihr Leben für den Luxus der Damenwelt auf´s Spiel setzen. Tauchtiefen von über 100m sind normal für diese Spezialisten. Jedoch der Lohn
der Ernte lockt sie immer wieder aufs Neue in die Tiefe. Fotos zeigen Gerard, Aug in Aug mit einer Meeresschildkröte, gleich daneben ein antiker Schnappschuss, der
Jacques-Yves Cousteau zeigt – so schließt sich wohl doch der Kreis. Ein kleines Maschinchen, kaum größer als ein SLR – UW Kameragehäuse ist der erste
Kompressor, gebaut um 1950 von Luchard mit dem Namen „Alizé“. Erste Kameragehäuse nennt Gerard auch sein eigen, beide ebenfalls aus den Jahren um 1950. Im
Ganzen sind es derzeit etwa 260 wasserdichte Kameras, die Gerard sein eigen nennt, nur ein Bruchteil davon ist ausgestellt. Unter anderem hat er ein Gehäuse für eine
Kamera, die heute noch Fotografenherzen höher schlagen lässt – eine Hasselblad. Auch einiger Rolleimarine - Gehäuse „Hans Hass“ sind zu entdecken.
Unzählige Scooter stehen im Büro, in der Lagerhalle und teils auch wegen ihrer Größe auf dem Gelände verteilt, manche sehen einem Space Shuttle ähnlicher, als einem
Tauchgerät. Gleich vor der Tür ruht ein Erinnerungsstück alter Tauchtechnik – eine Einmann - Dekokammer, wie sie auf Expeditionsschiffen und Korallentaucher -
Booten verwendet wurde. Aber das ist noch zu toppen. Ein wahrer Exot und leider etwas versteckt unter einem Regal, ist eine Einmann - Dekokammer, die teleskopartig
zusammenschiebbar konstruiert wurde. So hat sie bei Nichtgebrauch nur noch die Dimensionen einer kleinen Waschmaschine für den Single - Haushalt. An den Wänden sind
unterschiedliche Harpunen aufgehängt und unter einem Board voll mit Kameragehäusen finden die guten alten Klodeckel, Urahnen der heutigen Jackets ihren Platz. Stolz
zeigt Gerard mir eine komplette Helmtauch - Ausrüstung und deutet mit verschmitztem Grinsen auf die Aufschrift: Dräger Lübeck. Sammler werden hier wirklich neidisch,
denn meist gibt es im Internet oder auf Taucherbörsen nur einzelne Komponenten, vieles wird händeringend gesucht, um die persönliche Sammlung endlich komplett zu haben.
Scharenweise wurden die Raritäten anderen Tauchern abgeschwatzt oder Gerards Museum überlassen worden, manches entstammt seiner eigenen Tauchvergangenheit, so auch
die kurzen Stummelflossen, die in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts das Maß aller Dinge waren. Besonderes Interesse erwecken aber „Flossen“,
die in einer Glasvitrine neben einer der ersten Tauchflaschen Platz gefunden haben, das Blatt ist aus Alu gesägt, das Fußteil aus Stoff, die Einheit beider Komponenten
stellen Alu-Nieten dar. Ja...so hat alles angefangen! Der übermächtige Wunsch, auch die Tiefen der Meere und Seen kennen zu lernen, trieb die Menschen zu teils
abenteuerlichen Konstruktionen, handgefertigte Einzelstücke. Manch eine wurde weiterentwickelt und natürlich selbst erprobt, oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Und
manchmal wurde dann tatsächlich zur Serienreife gebracht. So entwickelte Jacques-Yves Cousteau den heute immer noch unter uns Tauchern bekannten einstufigen Atemregler
„Aqualung“ mit, der Atemkomfort bot, von dem die Tauchpioniere nur träumen konnten. Weiterentwickelt von Gautier und Bronnec entstand aus dieser technologischen
Leistung der erste zweistufige Atemregler, den heutige Taucher als selbstverständlich hinnehmen. Zur Sammlung Gerards gehört neben alter Tauchtechnik aber auch
Geborgenes, beispielsweise Bruchstücke 2000 Jahre alter Glasgefäße, empfindlich dünn. Fast traue ich mich nicht, die zarten Scherben in die Hand zu nehmen. Musketen
hängen an der Wand. Gerard zeigt ein altes Schwert und präsentiert die Geschichte hierzu sogleich. Am 15. Februar 1855 sank durch einen Navigationsfehler in der Straße
von Bonifacio (so die eine Variante, eine weitere Legende berichtet von einer Explosion an Bord) eines der letzten von 27 Holzschiffen, der Dreimaster
„Sémillante“ vor der Insel Lavezzi, dem südlichsten Punkt Frankreichs. Jahre später barg Gerard bei Tauchgängen am Wrack zahlreiche Fundstücke, unter anderem ein
Schwert; vom Wrack selbst ist mittlerweile kaum etwas vorhanden. Stark zerstört und zerstreut sind die Reste, da das Schiff aus Holz gebaut war. Als Gerard zu einem
Lunch inmitten der Lagerhalle einlädt, werde ich einer antiken Amphore gewahr, die fast stiefmütterlich behandelt neben einem Kühlschrank in eine Sauerkrautkeimer
gestellt wurde. Seine Geste mit beiden Händen macht mir klar, die Strafe hierfür hat er zwar bekommen, offen hinstellen wäre dennoch ein zu großes Risiko wegen
eventueller Beschädigung oder Diebstahl.
Bei Gerard gibt sich die Vergangenheit des Tauchsports mit der Gegenwart ein Stelldichein. Kaum zu glauben, mit welchem
Equipment die Pioniere der Szene den Abstieg in die Tiefe wagten, wie schnell sich die Technik zum dem hin entwickelte, was heute als ganz normaler Standard angesehen
wird.
Barakouda Diving Center Avenue Sylver Bohn 20169 Bonifacio Tel. : +33 (0) 495 731 302 eMail: club.barakouda@free.fr www.barakouda.com
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