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Europas einziges Habitat für Taucher wurde versenkt - Rückkehr in die Zukunft. UW-Stationen aus der Pionier-Zeit des Tauchens sichern
moderne Tec-Tauchgänge, Vision und Lebenswerk des Volker Buder: Das deutsche Seesternhaus
Der sächsische Erfinder; Tauchlehrer und Basisinhaber Volker Buder
versenkt nach 10 Jahren Arbeit ein System von drei Unterwasserstationen im Binnensee Wildschütz bei Torgau. Er wendet sich damit gegen den Trend, auf derlei aufwändige
Installationen in der Tauchbranche zu verzichten. Die Stationen werden der Tauchausbildung, der sicheren Dekompression beim Technischen Tauchen und tauchtouristischen
Zwecken dienen. Von der Unterwasserhochzeit bis zum wissenschaftlichen Langzeit-Experiment ist alles möglich. Falk Wieland berichtet von der Versenkung der einzigen
UW-Stationen in Europa.
Gegen Ende der siebziger Jahre endete die große Zeit von Unterwasserstationen im Dienste der Meeresforschung. Der Grund war einfach: Die
Erforschung des Weltraumes hatte eine größere Lobby und die Mittel flossen dorthin. Das Meer als „Inner space“ schien abgehakt. Wie 3sat recherchierte,
hinterließen die letzten 30 Jahre Meeresforschung weltweit 56 Habitate, von denen nur ein einziges, die AQUARIUS LABS vor Key Largo, fit und für die tauchende
Wissenschaft in Betrieb ist. Um so erstaunlicher, dass nunmehr mitten in Deutschland ein System von drei UW-Stationen in Privat-Initiative zu Wasser gebracht worden
ist.
Wildschütz-Ufer an einem August-Montag 2008: Der Versenkungstag der R-II
Pünktlich um acht Uhr rollt der 80-Tonnen-Autokran der Leipziger
Spezial-Firma Thömen auf den Hof der Tauchschule Buder am Wildschütz bei Torgau. Vom mitgebrachten Anhänger bürdet der Kranfahrer seinem Autokran zusätzliche 7 Tonnen
Gegengewichte auf, um die Unterwasserstation umsetzen zu können. Ein paar präzise Absprachen, und schon beginnt der Arbeitstag am See. Längst sind die aus Zentralteil
und drei Kammern bestehende UW-Station R II und das stählerne Fundament zu einer Einheit aus Stahl verschraubt. Hoch über die Köpfe und Wipfel der Ufervegetation
schwenkt der Kran die Station dem ihr zugedachten Element entgegen. Ein wenig erinnert das stählerne Seesternhaus an die russische MIR-Weltraumstation. Schon bald kann
der Kranfahrer die Station hinter den Uferbäumen nicht mehr sehen und muss sich auf Handzeichen verlassen. Aufmerksam registriert Volker Buder jede Bewegung. Er hat
in der Landstation bereits die Niederdruck-Kompressoren angeworfen, die die Station mit Luft versorgen werden. Sobald das große Unterwasserhaus eintaucht, wird die
Luft darin komprimiert. Supporttaucher bringen sogleich (an Bojen auf dem Wasser treibende) Luftschläuche an, die der Station permanent ein Sicherheitsluftpolster
einblasen. Allerlei Unvorhergesehenes könnte passieren. Vor allem rechnet der tauchende Konstrukteur damit, dass die Flansche der verschiedenen Bullaugen im Wasser
noch einmal nachgezogen werden müssen, bis sie völlig luft- und wasserdicht sind. Das lies sich an Land auf Grund der Größe der Anlage nicht abschließend prüfen. Volle
25 Meter Ausleger muss der Autokran ausfahren, um die Station in ausreichend tiefes Wasser zu setzen. Dann treibt das deutsche Seesternhaus im Wasser. Mit dem Boot
wird es an seinen nächsten Liegeplatz geschleppt, so etwas wie der Ausrüstungskai bei Schiffen. Hier schwebt die Schwesterstation R III noch immer an der Oberfläche,
weil sie erst nach der größeren R II auf Tauchposition gebracht werden kann. Die R II wird sicher vertäut und das Einbringen der Ballastgewichte beginnt, zum Teil
Gestein, zum anderen Teil dicke Stahltafeln, die Supporttaucher mit Hebesäcken platzieren. Eine tief im Fels verankerte Verholwinde mit einer Vergangenheit bei der
Elb-Binnenschifffahrt wird die Station - über gewaltige Flaschenzüge „verstärkt“ - später nach unten ziehen. Die R II wiegt rund 6,5 t und hat im Ganzen etwa
24 t Auftrieb. Der wird durch den flutbaren Ballastwasserponton etwas kompensiert. Zusätzlich erhält dieser Rahmen eine Stahlplatte eingelegt, die mit 6,5 Tonnen
Eisenbahnschienen und Gestein beauflagt wird. Letztlich wird eine reichliche Tonne unkompensierter Restauftrieb ausreichen, um die Station wie einen Fesselballon
aufrecht schwebend im Freiwasser zu halten. Auch die kleineren Stationen R I und R III werden durch wassergefüllte Ballastwassersäulen und Gegengewichte in Lage
gebracht. An der Steilwand des Ufers werden alle Stationen identisch mittels Ketten an in den Fels geschraubten Edelstahl-Ösen verankert. Im Ganzen ist die
Versenkung der Buderschen Unterwasserhäuser ein mehrstufiges Programm, im Rahmen dessen die Stationen R I und R III bereits im April 2008 zu Wasser gebracht wurden.
In Zukunft werden die Stationen aufregende Tec-Tauchgänge mit absichern helfen, als Aquata-Testcenter dienen und für wissenschaftliche Aufgabenstellungen ebenso zur
Verfügung stehen wie etwa für UW-Hochzeiten.
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